Kein ETF-Sparplan am Monatsanfang? Der Unterschied überrascht!
ETF-Sparpläne sind so beliebt wie nie und das ist auch kein Wunder. Einmal eingerichtet, läuft der Vermögensaufbau automatisch. Genau diese passive Art zu investieren hat über viele Jahre gezeigt, dass sie bei der Rendite beinahe unschlagbar sein kann.
Aber wenn man das Ganze weiterspinnt, ergibt sich eine spannende Frage. Wenn Millionen Anleger ihre ETF-Sparpläne immer zu ähnlichen Zeitpunkten ausführen, kaufen dann nicht alle gleichzeitig? Und wenn alle gleichzeitig kaufen, werden dadurch die Kurse beeinflusst und man kauft möglicherweise sogar zu einem ungünstigen Zeitpunkt?
Auf den ersten Blick klingt das logisch. Viele bekommen ihr Gehalt am Monatsende oder Monatsanfang und richten ihren Sparplan direkt auf die ersten Tage des Monats ein. Broker bündeln dementsprechend die Orders und die ETFs kaufen die Aktien nach. Dabei wäre es doch eigentlich spannend herauszufinden, ob genau diese massiven und gebündelten Käufe die Kurse nicht kurzfristig zu stark nach oben treiben und ob es vielleicht sogar schlauer wäre, einen ETF eher in der Mitte oder am Ende des Monats zu kaufen.
Genau dieser Frage möchte ich in diesem Artikel nachgehen. Nicht nur theoretisch, sondern mit einem eigenen kleinen Analyse-Tool, mit dem ich verschiedene Indizes über die letzten Jahre analysiert habe. Dabei habe ich ausgerechnet, an welchem Kalendertag man historisch am sinnvollsten investiert hätte und vor allem, welche Sparplan-Tage eher schlechter abgeschnitten haben.
Die große Frage dahinter lautet also: Gibt es wirklich den perfekten Sparplantag oder gibt es bestimmte Tage, die man besser vermeiden sollte?
Kaufen alle ETFs am Monatsanfang zu teuer?
ETF-Sparpläne sind längst kein Nischenthema mehr und boomen regelrecht. Laut Statistiken von extraETF belief sich das Volumen im März auf rund 200 Milliarden Euro. Im gleichen Zeitraum wurden ungefähr 5,8 Millionen ETF-Sparpläne ausgeführt.

Das Handelsvolumen lag allein im März bei über 10 Milliarden Euro. Und ich spreche hier nur vom Handelsvolumen der teilnehmenden Direktbanken dieses Marktreports, die „nur“ einen Großteil des deutschen Retail-Marktes abdecken.
Weltweit ist das Ganze noch einmal eine völlig andere Dimension.
Weltweit wird mittlerweile von fast 20 Billionen US-Dollar gesprochen, die in ETFs und ETPs investiert sind.
Damit ist klar: Wir reden hier längst nicht mehr über ein paar Privatanleger, die nebenbei 50 Euro sparen. Diese Kapitalzuflüsse sind fixer Bestandteil der heutigen Marktstrukturen geworden. Viele institutionelle Anleger, große Fonds, Family Offices und andere Marktteilnehmer bilden mittlerweile Teile ihrer Portfolios über ETFs ab.
Und genau deshalb ist die Frage natürlich berechtigt: Wenn so viel Geld regelmäßig und teilweise gleichzeitig investiert wird, müsste das am Markt doch irgendwo sichtbar sein.
Was auf den ersten Blick logisch klingt, ist aber nicht automatisch richtig. Denn der Markt besteht nicht nur aus ETF-Sparplänen. Gleichzeitig handeln institutionelle Investoren, Pensionskassen, Hedgefonds, Market Maker, Hochfrequenzhändler, Versicherungen, Banken, Fondsmanager und Millionen andere Marktteilnehmer.
Dazu kommt, dass Broker ihre Sparpläne nicht exakt zur gleichen Sekunde ausführen. Orders werden häufig gebündelt, teilweise auf verschiedene Handelsplätze verteilt, über Market Maker ausgeführt oder über den gesamten Tag gestückelt abgewickelt.

Oft ist es so, dass zwar gewisse Orderausführungen ganz normal über die Börse abgehandelt werden, ein großer Teil der Käufe aber auch über neu erzeugte ETF-Anteile läuft. Ein ETF besitzt im Hintergrund schließlich die enthaltenen Aktien und hat dadurch einen inneren Wert, den sogenannten NAV, also Net Asset Value.
Führen Broker jetzt ihre Sparpläne aus und es sind nicht genügend ETF-Anteile am Markt vorhanden, können ganz einfach neue Anteile erzeugt werden, während im Hintergrund die entsprechenden Aktien nachgekauft werden.
Genau deshalb führen hohe Handelsvolumina nicht automatisch zu einem massiven Kursanstieg des ETFs selbst. Die ETF-Anteile werden nämlich nicht von einem anderen Marktteilnehmer teuer erworben, sondern erzeugt.
Trotzdem beschäftigen sich viele Studien und Ausarbeitungen mit dem perfekten oder schlechtesten Tag zum Investieren. Es gibt sogar einen Börsen-Effekt, den sogenannten Turn-of-the-Month-Effekt, der genau das beschreibt.
Was ist der Turn-of-the-Month-Effekt?
Der Turn-of-the-Month-Effekt beschreibt die Beobachtung, dass Aktienmärkte historisch rund um den Monatswechsel überdurchschnittlich stark gelaufen sind. Gemeint sind dabei meistens die letzten Handelstage eines Monats und die ersten Handelstage des neuen Monats.
Wichtig ist: Das bedeutet nicht, dass der Markt immer am 1. des Monats steigt. Es bedeutet nur, dass in historischen Daten ein überdurchschnittlich großer Teil der Rendite rund um den Monatswechsel entstanden ist.

Lange gab es sogar eigene Handelsstrategien rund um diesen Effekt und es existieren Charts sowie Ausarbeitungen, die auf den ersten Blick spektakulär aussehen. Teilweise wirkt es fast so, als wäre ein Großteil der gesamten Aktienmarktrendite ausschließlich rund um den Monatswechsel entstanden.
Sieht man solche Charts, würde man sofort ableiten: Man kauft zum Beispiel am 27. eines Monats Aktien, verkauft sie am 3. des nächsten Monats wieder und maximiert damit seine Rendite. Aber leider ist es nicht so einfach.
Denn wenn dieser Effekt tatsächlich so simpel und dauerhaft funktionieren würde, könnten ihn längst alle ausnutzen. Egal ob Hedgefonds, algorithmisches Trading oder institutionelle Händler – sie würden sich auf genau solche Muster stürzen. Und genau dadurch würde der Effekt wahrscheinlich wieder kleiner werden oder sogar ganz verschwinden.
Viele aktuellere Studien zeigen sogar, dass dieser Effekt gerade in den letzten Jahren schwächer geworden ist oder teilweise verschwindet.
Das größte Problem bei solchen Charts ist nämlich die Interpretation. Diese Rückrechnungen und Backtests werden oft über 40 bis 50 Jahre durchgeführt, berücksichtigen aber häufig kaum:
- Spreads
- Gebühren und Handelskosten
- Steuern
- tatsächliche Ausführungszeitpunkte
- Liquiditätsprobleme
- oder die reale Handelbarkeit solcher Strategien
Selbst kleinste statistische Unterschiede können sich über einen so langen Anlagehorizont hinweg durch den Zinseszinseffekt enorm auswirken.
Genau das ist das Problem vieler sogenannter Kalenderanomalien. Sobald ein Effekt bekannt wird und scheinbar einfach funktioniert, wird er auch gehandelt. Und genau dadurch verschwindet er oft wieder automatisch.
Darum habe ich mir in einer eigenen Ausarbeitung die letzten rund 15 Jahre angesehen. Denn meiner Meinung nach verändert sich die Dynamik an der Börse mittlerweile viel zu stark, um solche Effekte einfach über ein halbes Jahrhundert unverändert weiterzuführen.
Welcher Sparplantag war historisch am besten?
Um das Thema nicht nur theoretisch zu behandeln, habe ich eine eigene kleine Software gebaut, die die historischen Net Asset Values verschiedener ETFs auswertet und für jeden Kalendertag im Monat berechnet, wie viele Anteile man bekommen hätte, wenn man immer genau an diesem Tag investiert hätte.
Also beispielsweise:
- Sparplanausführung immer am 1.
- immer am 2.
- immer am 3.
- und so weiter bis zum 31. eines Monats.
Die Analyse berücksichtigt dabei keine Gebühren, Steuern oder individuelle Broker-Spreads. Sie betrachtet rein die Frage:
Wie viele Anteile hätte man mit einer festen Sparrate von beispielsweise 100 Euro am jeweiligen Kalendertag kaufen können?
Ziel dieser Berechnung ist es herauszufinden, mit welchem Kalendertag man langfristig die meisten Anteile eingesammelt hätte. Denn je mehr Anteile man besitzt, desto höher ist am Ende bei gleichem Endkurs natürlich auch der Depotwert.
Dafür habe ich mir vier verschiedene Vergleichsobjekte angesehen:
- den MSCI World
- den MSCI Europe
- den Nasdaq 100
- und interessenshalber auch Gold
Und die Ergebnisse sind unglaublich interessant, weil sie viele meiner Theorien im Vorfeld erstaunlich gut bestätigt haben.
Wann sollte man in den MSCI World investieren?
Beim MSCI World zeigt sich ein sehr klares Muster. Die besten Sparplan-Tage lagen über die betrachteten Jahre tendenziell sehr früh im Monat.



In der Gesamtwertung lag der 3. Tag vorne, dicht gefolgt vom 2. und 1. Tag. Das klingt im ersten Moment nach einer klaren Aussage: Je früher, desto besser.
Aber der Unterschied zum schlechtesten Tag lag über den gesamten betrachteten Zeitraum gerade einmal bei rund 1,03 %.
Im ersten Moment sollte man eigentlich meinen, dass der Unterschied deutlich größer sein müsste. Schließlich sieht man innerhalb einzelner Jahre teilweise Unterschiede von bis zu 3 % zwischen den Sparplantagen. Das Problem ist aber: Der beste Sparplantag wechselt sich über die Jahre immer wieder ab. Mal war es der 1., mal der 3., mal ein ganz anderer Tag. Dadurch kann man natürlich nicht in die Zukunft prognostizieren, welcher Sparplantag in welchem Jahr am besten laufen wird.
Und genau das ist bereits eine der wichtigsten Erkenntnisse dieser Analyse. Ja, es gibt bessere und schlechtere Sparplan-Tage. Aber nicht, weil irgendeine magische Börsenkraft wirkt, weil plötzlich mehr Volumen herrscht und dadurch die Kurse massiv nach oben getrieben werden.
Die wahrscheinlichste Erklärung ist viel banaler: Wer früher investiert ist, ist länger im Markt. Und gerade in den starken Bullenmärkten des betrachteten Zeitraums war es am Ende meist besser, Kursanstiege mitzunehmen, anstatt länger auf der Seitenlinie zu stehen.
Wann sollte man in den MSCI Europe investieren?
Beim MSCI Europe war dieser Effekt sogar noch schwächer. In meiner Analyse lag der beste Tag im Gesamtranking ebenfalls wieder sehr früh im Monat, nämlich am 4. Tag des Monats. Der Unterschied zwischen dem besten und dem schlechtesten Sparplantag lag allerdings gerade einmal bei rund 0,65 %.



Damit entzaubert sich das Thema des perfekten beziehungsweise schlechtesten Sparplantags eigentlich schon ziemlich deutlich. Aber ich verspreche dir, bei den weiteren Vergleichen kommen noch ein paar wirklich interessante Erkenntnisse dazu.
Man sieht hier allerdings bereits sehr klar, dass man gerade bei einem MSCI Europe, der im betrachteten Zeitraum nicht so stark gestiegen ist wie beispielsweise der MSCI World, am Ende keine Wissenschaft daraus machen sollte, an welchem Tag der Sparplan exakt ausgeführt wird.
Und genau das ist auch einer der Hauptgründe, warum der Unterschied hier noch kleiner ausfällt. Am Ende zählt vor allem die Zeit im Markt. Da die Aktien im MSCI World über den betrachteten Zeitraum insgesamt deutlich stärker gestiegen sind als im MSCI Europe, ergibt sich dadurch automatisch auch eine größere Differenz zwischen frühem und spätem Investieren innerhalb des Monats.
Wann sollte man in den Nasdaq 100 investieren?
Als Gegenbeispiel beziehungsweise Vergleich dazu schauen wir uns noch den Nasdaq 100 an. Also einen Technologieindex, der voll mit großen Big-Tech-Unternehmen ist. Hier ist es logischerweise so, dass dieser Index im betrachteten Zeitraum am stärksten gestiegen ist.



Und genau deshalb ist es hier auch wenig überraschend, dass der beste Sparplantag schlicht der erste Tag im Monat war. Je länger man investiert war, desto größer waren am Ende auch die möglichen Renditen. Der Unterschied beziehungsweise Vorteil zwischen dem besten und schlechtesten Sparplantag lag hier immerhin bei rund 1,48 %.
Ein wichtiger Punkt ist hier allerdings noch zu erwähnen: Die Analysen der ETFs startet ungefähr im Bereich 2009 beziehungsweise 2010, also in einer Phase nach der Finanzkrise. Danach folgte ein extrem starker Aktienmarkt mit niedrigen Zinsen, enorm viel Liquidität, einer völligen Dominanz von Tech-Unternehmen und unglaublich starken Erholungen nach Rücksetzern.
In so einem Umfeld gewinnt zwangsläufig meistens derjenige, der früher investiert ist. In seitwärts laufenden Märkten oder langen Bärenmärkten könnte das Ergebnis dagegen deutlich anders aussehen. Ein gutes Beispiel dafür war etwa das Jahr 2022, als viele Technologieaktien massiv korrigiert haben und frühes Investieren zeitweise eben nicht automatisch der beste Zeitpunkt war.
Wann sollte man in Gold investieren?
Als alternative Auswertung habe ich mir auch noch Gold angesehen. Denn Gold unterscheidet sich deutlich von klassischen Aktienmärkten, da es über lange Zeiträume eben nicht immer konstant gestiegen ist. Abgesehen von den letzten Jahren gab es bei Gold viele Phasen, in denen der Preis eher seitwärts lief oder sogar deutlich korrigiert hat.

Wenn man sich die Heatmap dazu ansieht, erkennt man sehr deutlich, dass sich die besten Sparplan-Tage viel stärker abgewechselt haben als bei den einzelnen Aktienindizes. Das Muster war also deutlich unregelmäßiger.
Interessant ist aber: Seit Gold in den letzten zwei bis drei Jahren wieder massiv gestiegen ist, ähnelt das Bild zunehmend den Aktienindizes. Auch hier war es in dieser Phase tendenziell schlauer, früher zu investieren und dadurch länger im Markt zu sein.


Fazit: Der perfekte Sparplantag
Aus diesen Analysen kann man klar ableiten: Ja, es gab historisch gesehen bessere und schlechtere Sparplan-Tage und Sparpläne am Monatsanfang haben in den untersuchten Fällen meist am besten abgeschnitten – vor allem durch die starken Bullenmärkte der letzten Jahre.
Aber der entscheidende Haken ist: Der beste Tag war nicht jedes Jahr derselbe. Genau deshalb ist der Unterschied über eine so lange Anlagedauer am Ende deutlich kleiner, als viele vielleicht erwarten würden.
Je stärker der jeweilige ETF oder Index langfristig steigt, desto stärker wirkt sich die Zeit im Markt aus und desto sinnvoller ist es statistisch gesehen, möglichst früh zu investieren.
Für mich deckt sich diese Erkenntnis perfekt mit den Learnings aus meinem vergangenen Artikel zum Cost-Average-Effekt. Genau dort stellt sich ebenfalls die Frage, ob man eine größere Einmalinvestition sofort investieren oder lieber auf mehrere Tranchen aufteilen sollte, um mögliche Kursschwankungen nach dem Einstieg auszugleichen.
Auch hier zeigt die Statistik langfristig ein relativ klares Bild: Da die Börse historisch gesehen an mehr Tagen steigt als fällt, hat eine sofortige Investition und kein Aufteilen in mehrere Tranchen langfristig meist die besseren Renditen erzielt.
Und genau derselbe Effekt zeigt sich indirekt auch bei ETF-Sparplänen. Zwar nutzt man dort automatisch den Cost-Average-Effekt, weil regelmäßig über viele Monate investiert wird, aber gleichzeitig bringt man sein Geld eben auch möglichst früh nach dem Gehaltseingang in den Markt. Dadurch profitiert man langfristig wieder stärker von der Zeit im Markt.
Am Ende sollte der perfekte Sparplantag aber vor allem zu den eigenen Vorlieben und zum persönlichen Zahlungsfluss passen. Bekommst du dein Gehalt Ende des Monats und dein Sparplan wird am 1. ausgeführt, ist das völlig in Ordnung. Möchtest du deine Sparrate lieber erst nach allen Fixkosten abbuchen lassen und investierst deshalb erst am 5., wirst du dadurch langfristig ebenfalls keinen großen Nachteil haben.
Der Unterschied ist über viele Jahre meist relativ klein. Viel wichtiger ist am Ende, dass du überhaupt investierst und langfristig konsequent dabei bleibst.
