Zentralbankkäufe brechen ein – was bedeutet das für Gold?
Und da träumen die Goldbullen schon wieder von Kurszielen von über 40.000 US-Dollar, nachdem der Goldpreis teilweise über 25 Prozent korrigiert hat, lange um die 4.100 US-Dollar gependelt ist und nun innerhalb weniger Tage wieder auf über 4.300 bis 4.400 US-Dollar nach oben schießt.

Jetzt hört man aber auch, dass die Zentralbanken zwar weiterhin große Mengen Gold kaufen, das Interesse aber im ersten Halbjahr 2026 zurückgegangen ist und vor allem im ersten Quartal einen massiven Einbruch erlitten hat.

Der steigende Goldpreis stützt sich stark auf die Story, dass Zentralbanken große Mengen Gold kaufen und das den Goldpreis langfristig unterstützt. Wie ich aber in vergangenen Artikeln und Videos immer wieder erwähnt habe, ist nach einem derart starken Anstieg – unabhängig davon, woher er kommt – eine Korrektur völlig normal. Und genau diese hat jetzt stattgefunden.
Die Stärke des Rückgangs zeigt gleichzeitig, dass sehr viel kurzfristig orientiertes Kapital in Gold investiert war.
War diese starke Korrektur also den abflauenden Zentralbankkäufen geschuldet? Und ziehen die Käufe jetzt wieder an, nachdem auch der Goldpreis wieder Richtung Norden dreht? Genau das sehen wir uns genauer an: Wie haben sich die Zentralbankkäufe tatsächlich entwickelt und welchen Einfluss haben sie wirklich auf den Goldpreis?
Wie viel Gold kauften Zentralbanken 2025 und 2026?
Die Zentralbankkäufe sind keineswegs nur eine Geschichte, die von Goldverkäufern verbreitet wird. Die Nachfrage ist real und im historischen Vergleich weiterhin sehr hoch.
Im Jahr 2025 kauften Zentralbanken und andere offizielle Institutionen netto rund 848 Tonnen Gold. Das war zwar weniger als in den außergewöhnlich starken Jahren davor, lag aber weiterhin deutlich über dem langfristigen Durchschnitt. Über die vergangenen vier Jahre hinweg kauften Zentralbanken durchschnittlich ungefähr 1.000 Tonnen pro Jahr.
Auch 2026 setzte sich dieser Trend zunächst fort:
- Ursprünglich ging das World Gold Council von 244 Tonnen für das erste Quartal 2026 aus. Der Schock war dann aber groß, als nur 57 Tonnen gemeldet wurden.
- Insgesamt waren es im zweiten Halbjahr 2026 345 Tonnen Gold, was unter den 415 Tonnen des Vorjahres liegt.

Man darf allerdings nicht vergessen, dass in diesem Zeitraum auch der Goldpreis massiv gestiegen ist. Die Käufe der Zentralbanken werden in Tonnen ausgewiesen, nicht nach ihrem Gegenwert in US-Dollar. Dadurch wirkt der Rückgang zunächst größer, als er tatsächlich ist.
Betrachtet man die Quartale genauer, fällt zudem auf, dass die Zentralbanken im ersten Quartal, als der Goldpreis auf Rekordniveau notierte, vergleichsweise zurückhaltend waren. Im zweiten Quartal, als der Goldpreis deutlich nachgab, wurden die Käufe wieder ausgeweitet. Das spricht dafür, dass auch Zentralbanken nicht völlig unabhängig vom Preis agieren, sondern ihre Käufe über die Zeit verteilen und günstigere Marktphasen nutzen.
Für den Goldmarkt bleibt dennoch entscheidend, wie viele Tonnen dem Markt tatsächlich entzogen werden. Auch wenn der finanzielle Aufwand aufgrund des höheren Goldpreises ähnlich hoch gewesen sein kann, wurden physisch weniger Tonnen gekauft. Das wirkt sich auf das Verhältnis von Angebot und Nachfrage aus und kann daher durchaus einen Teil der aktuellen Preisentwicklung erklären.
Zentralbanken kaufen Gold nicht wie Privatanleger
Eine Umfrage des World Gold Council aus dem Jahr 2026 zeigt, dass die langfristige Nachfrage weiterhin intakt ist. Ein Großteil der befragten Zentralbanken plant, seine Goldreserven in den kommenden Jahren weiter auszubauen.
- 89 % der befragten Zentralbanken erwarten, dass die weltweiten Goldreserven der Zentralbanken in den nächsten zwölf Monaten weiter steigen.
- 45 % der befragten Zentralbanken planen, ihre eigenen Goldreserven innerhalb der nächsten zwölf Monate auszubauen – das ist der höchste Wert seit Beginn der Umfrage.
Die grundsätzliche Strategie hat sich also nicht geändert – lediglich das Tempo der Käufe scheint derzeit etwas nachgelassen zu haben.
Ob es nun Zufall war, dass die Zentralbanken im ersten Quartal, als der Goldpreis auf seinem Höchststand notierte, weniger Gold gekauft haben, oder ob dahinter bewusstes Market-Timing steckt, lässt sich nicht eindeutig beantworten.
Zur Einordnung muss man allerdings auch verstehen, dass Zentralbanken völlig anders investieren als Privatanleger, Hedgefonds oder kurzfristig orientierte Spekulanten. Ein Privatanleger oder Fondsmanager kauft Gold häufig mit dem Ziel, in den nächsten Monaten von steigenden Kursen zu profitieren. Gerade professionelle Fonds müssen ihren Investoren bereits nach wenigen Quartalen erklären, ob ihre Entscheidungen erfolgreich waren.
Zentralbanken verwalten dagegen die Währungsreserven eines ganzen Landes. Ihr Anlagehorizont ist daher mit dem eines Privatanlegers oder Hedgefonds kaum vergleichbar. Viele Zentralbanken möchten ihre Abhängigkeit vom US-Dollar schrittweise verringern und tauschen deshalb einen Teil ihrer Dollarreserven gegen Gold.
Laut der Umfrage des World Gold Council erwarten 74 Prozent der befragten Zentralbanken, dass der Anteil des US-Dollars an den weltweiten Währungsreserven in den kommenden fünf Jahren sinken wird.
Solche Umschichtungen in dieser Größenordnung erfolgen jedoch nicht innerhalb weniger Tage. Vielmehr werden die Käufe über Monate oder sogar Jahre verteilt und fallen je nach Marktumfeld einmal größer und einmal kleiner aus. Hinzu kommt, dass der stark gestiegene Goldpreis automatisch dazu führt, dass für den gleichen Geldbetrag weniger Tonnen Gold gekauft werden können.
Die Käufe der Zentralbanken stützen den Goldpreis daher zwar langfristig, sie sind aber keine Garantie dafür, dass der Goldpreis kurzfristig nicht deutlich korrigieren kann.
Zentralbankkäufe sind nicht der einzige Treiber für den Goldpreis
Ein weiterer wichtiger Punkt ist der tatsächliche Anteil der Zentralbankkäufe an der gesamten Goldnachfrage. Wie die Tabelle oben zeigt, kauften Zentralbanken in den vergangenen Jahren meist rund 200 bis 250 Tonnen Gold pro Quartal. Das entspricht im Durchschnitt lediglich etwa einem Fünftel der weltweiten Goldnachfrage. Im Gesamtjahr 2025 lag der Anteil sogar nur bei rund 17 Prozent.
Die übrige Nachfrage stammt aus ganz anderen Bereichen – etwa aus der Schmuckindustrie, von Privatanlegern, Gold-ETFs oder der Industrie.
Zentralbanken sind also nur eine von mehreren wichtigen Käufergruppen.
Auch der Geldbetrag wirkt zunächst gewaltig. Die im Jahr 2025 gekauften rund 863 Tonnen Gold entsprechen beim heutigen Goldpreis einem Wert von etwa 111 Milliarden US-Dollar. Vergleicht man diese Summe jedoch mit dem gesamten Goldmarkt, relativiert sich dieser Eindruck schnell.
Allein im Jahr 2025 kamen weltweit rund 5.000 Tonnen Gold neu auf den Markt. Davon stammten rund 3.700 Tonnen aus Minen und weitere etwa 1.400 Tonnen aus Recycling. Schon das Minenangebot allein übertraf die Käufe der Zentralbanken deutlich. Gleichzeitig sorgt der hohe Goldpreis dafür, dass immer mehr Altgold eingeschmolzen und dem Markt wieder zugeführt wird.
Genau das unterscheidet Gold von vielen anderen Rohstoffen wie Erdöl oder Kohle. Diese werden verbraucht und sind anschließend nicht mehr verfügbar. Gold dagegen bleibt nahezu vollständig erhalten. Es wird als Schmuck, Münze oder Barren gelagert und kann jederzeit wieder verkauft oder recycelt werden.
Noch deutlicher wird die Größenordnung beim Blick auf den gesamten Goldbestand. Schätzungen zufolge wurden weltweit bereits rund 220.000 Tonnen Gold gefördert und befinden sich oberirdisch im Umlauf. Die Zentralbankkäufe des gesamten Jahres 2025 entsprechen damit gerade einmal rund 0,4 Prozent dieses Bestands.
Diese Zahlen zeigen eindrucksvoll, dass die Käufe der Zentralbanken zwar ein wichtiger Faktor für den Goldmarkt sind, den Preis aber nicht allein bestimmen können.
Bisher habe ich nur vom physischen Goldmarkt gesprochen. Tatsächlich wird der Goldpreis aber zu einem großen Teil an den Terminmärkten gemacht, wo täglich ein Vielfaches der physischen Goldmenge in Form von Papiergold gehandelt wird.
Was bedeutet das für Goldanleger?
Am Ende sollte man sich meiner Meinung nach von den Meldungen über die Goldkäufe der Zentralbanken – egal ob sie gerade steigen oder sinken – nicht verrückt machen lassen. Es ist grundsätzlich ein positives Signal, dass Zentralbanken Gold wieder stärker als strategischen Bestandteil ihrer Währungsreserven sehen und teilweise US-Dollar-Reserven in Gold umschichten. Dabei verfolgt jedoch jede Zentralbank ihre eigenen Ziele.
Polen gehört derzeit zu den größten offiziellen Nettokäufern, weil die Zentralbank ihr offen kommuniziertes Ziel verfolgt, ihre Goldreserven auf rund 700 Tonnen auszubauen. China verfolgt dagegen eine andere Strategie. Dort wird mit der Shanghai Gold Exchange und der Shanghai Futures Exchange die eigene Goldinfrastruktur kontinuierlich ausgebaut, um den Goldhandel im asiatischen Raum langfristig zu stärken.
Kursziele von 40.000 US-Dollar oder noch höher halte ich dagegen für deutlich überzogen, obwohl ich Gold langfristig grundsätzlich positiv sehe. Solche Berechnungen entstehen meist dadurch, dass die weltweite Geldmenge ins Verhältnis zu den vorhandenen Goldreserven gesetzt wird. Dahinter steckt häufig die Annahme, dass irgendwann wieder eine goldgedeckte Währung eingeführt werden könnte.
Diese Idee mag auf den ersten Blick sympathisch erscheinen, weil sie das unbegrenzte Gelddrucken einschränken würde. Ich halte eine Rückkehr zu einem goldgedeckten Währungssystem in den kommenden Jahren jedoch für äußerst unwahrscheinlich. Die heutigen Volkswirtschaften und Finanzmärkte sind so stark auf flexible Geldpolitik ausgerichtet, dass eine vollständige Golddeckung enorme praktische Probleme mit sich bringen würde. Staaten müssten jederzeit ausreichend Gold vorhalten, um Umtauschforderungen bedienen zu können, und wären gezwungen, ihre Goldbestände laufend anzupassen.
Kurzfristig wird der Goldpreis daher auch nicht von den Zentralbankkäufen bestimmt, sondern vor allem von den Investmentströmen an den Finanzmärkten. Hier spielen Faktoren wie die Entwicklung des US-Dollars, das Zinsumfeld oder die allgemeine Risikobereitschaft der Anleger eine deutlich größere Rolle. Ein starker Dollar verteuert Gold für Käufer außerhalb der USA, während steigende Zinsen Gold gegenüber verzinsten Anlagen wie Staatsanleihen oder Geldmarktfonds unattraktiver machen. Genau das war zuletzt auch in den Zahlen zu sehen: Im zweiten Quartal kam es zu Abflüssen aus Gold-ETFs und die Investmentnachfrage ging gegenüber dem Vorquartal deutlich zurück.
Für langfristige Goldanleger können Rückgänge durchaus eine Gelegenheit sein, schrittweise wieder zu niedrigeren Preisen einzusteigen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Gold deshalb automatisch günstig ist oder kurzfristig wieder steigen muss.
Nach einer starken Rally können durchaus längere Seitwärtsphasen folgen – das hat der Goldmarkt in der Vergangenheit bereits mehrfach gezeigt.
Ich persönlich sehe das relativ entspannt. Gold ist für mich keine kurzfristige Spekulation, sondern eine langfristige Vermögensanlage mit einem Anlagehorizont von zehn Jahren und mehr. Kurzfristige Schwankungen spielen für meine Investmententscheidung daher kaum eine Rolle. Meine persönliche Investmentthese lautet, dass Gold auch in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren einen höheren Wert haben wird als heute. In diesem Punkt habe ich einen ähnlichen Anlagehorizont wie viele Zentralbanken – und genau das hilft mir dabei, mich von kurzfristigen Kursschwankungen nicht verrückt machen zu lassen.
