Bester und günstigster Welt-ETF? Der neue Vanguard FTSE Global All Cap
Ein ETF mit nur 0,07 % laufenden Kosten pro Jahr, der gleichzeitig praktisch den gesamten weltweiten Aktienmarkt abdecken soll. Genau mit diesem ziemlich schlagkräftigen Angebot ist Vanguard im August 2026 mit dem neuen Vanguard FTSE Global All Cap UCITS ETF gestartet.
Und die Aufmerksamkeit ließ nicht lange auf sich warten. In sozialen Medien und Finanzforen wurde der ETF schnell als einer der interessantesten neuen Welt-ETFs gehandelt. Das ist zunächst auch verständlich: Der zugrunde liegende FTSE Global All Cap Index enthält derzeit mehr als 10.000 Unternehmen und deckt rund 98 % des weltweit investierbaren Aktienmarktes ab. Large Caps, Mid Caps, Small Caps, Industrieländer und Emerging Markets stecken gemeinsam in einem einzigen Index.
Damit stellt sich natürlich die Frage: Ist der Vanguard FTSE Global All Cap UCITS ETF (ISIN IE000VAHT5T0, WKN A42B1M) damit vielleicht sogar der beste ETF für Anleger, die mit einem einzigen Produkt weltweit investieren möchten? Ist er aufgrund seiner 0,07 % vielleicht sogar der neue günstigste Welt-ETF, den man für ein globales Portfolio braucht? Und sollte man einen bestehenden MSCI World oder FTSE All-World vielleicht sogar gegen den neuen Vanguard austauschen?
Genau das möchte ich mir in diesem Artikel genauer ansehen. Denn so beeindruckend die Zahlen auf den ersten Blick aussehen, gibt es einige Punkte, bei denen ich den aktuellen Hype deutlich relativieren würde.
Was steckt im Vanguard FTSE Global All Cap UCITS ETF?
Der neue Vanguard ETF wurde am 18. August 2026 aufgelegt und ist mittlerweile an der Börse handelbar. Es gibt eine ausschüttende sowie eine thesaurierende Variante. Das Konzept dahinter ist relativ einfach: Es soll einen einzigen ETF geben, der möglichst viel vom weltweiten Aktienmarkt abdeckt. Dafür werden weltweit Unternehmen nach ihrer Marktkapitalisierung gewichtet ins Portfolio aufgenommen. Der ETF bildet dazu den FTSE Global All Cap Index ab.
Im Vergleich zu vielen anderen Welt-ETFs berücksichtigt dieser ETF durch seine breite Streuung auf mehr als 10.000 Unternehmen im zugrunde liegenden Index neben großen Konzernen auch mittelgroße und kleine Unternehmen. Er konzentriert sich also nicht nur auf die bekannten großen Unternehmen und Big-Tech-Konzerne.

Hier aber gleich vorweg, weil sich diese enorme Anzahl an Unternehmen zunächst natürlich sehr gut anhört: Der ETF bildet den Index über ein sogenanntes Sampling ab. Das bedeutet, dass Vanguard nur eine Auswahl der im Index enthaltenen Aktien tatsächlich kauft und nicht alle mehr als 10.000 Unternehmen im ETF hält. Das ist grundsätzlich auch sinnvoll, da gerade sehr kleine Unternehmen teilweise schwieriger zu handeln sind und eine vollständige Replikation entsprechend höhere Transaktionskosten verursachen könnte.
Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass der ETF auf dem Papier zwar einen Index mit mehr als 10.000 Aktien abbildet, diese Aktien in der Realität aber nicht alle tatsächlich gekauft werden. Das ist bei derart großen und breit gestreuten Indizes allerdings weder ungewöhnlich noch grundsätzlich problematisch. Entscheidend ist vielmehr, wie genau die tatsächliche Wertentwicklung des ETFs jener des zugrunde liegenden Index folgt.
Die Abweichung zwischen ETF- und Indexrendite wird als Tracking Difference bezeichnet.
Vergleich mit dem Vanguard FTSE All-World UCITS ETF
Recht eindeutig wird das Ganze, wenn man sich den Vanguard FTSE All-World mit rund 3.700 Unternehmen und den neuen Vanguard FTSE Global All Cap mit mehr als 10.000 Unternehmen im zugrunde liegenden Index ansieht. Denn faktisch ist es so, dass sich gerade die größten Positionen und deren Gewichtung nicht maßgeblich unterscheiden. Ein winziges Small-Cap-Unternehmen macht dagegen nur einen verschwindend kleinen Teil des gesamten ETFs aus und hat entsprechend wenig Einfluss auf dessen Wertentwicklung.


Braucht es überhaupt Small Caps im Portfolio?
Sehr gut zeigt das auch der Performance-Vergleich zwischen vier ETFs beziehungsweise Indizes in der Grafik. Über einen Zeitraum von rund sechs Jahren lagen der ausschließlich auf Industrieländer ausgerichtete MSCI World, der Vanguard FTSE All-World, der zusätzlich Emerging Markets berücksichtigt, sowie der State Street SPDR MSCI ACWI IMI, der zusätzlich Small Caps enthält, bei der Performance relativ nahe beieinander.
Die Aufnahme Tausender zusätzlicher kleiner Unternehmen hat die Gesamtperformance in diesem Zeitraum also nicht maßgeblich verändert.

Interessant ist außerdem der Vergleich mit dem iShares MSCI World Small Cap, der sich gezielt auf kleinere Unternehmen konzentriert. Dieser hat im betrachteten Zeitraum deutlich schlechter abgeschnitten. Es gab historisch zwar immer wieder Phasen, in denen Small Caps besser als große Unternehmen performt haben. Daraus lässt sich meiner Meinung nach aber nicht ableiten, dass ein höherer Small-Cap-Anteil langfristig automatisch eine höhere Rendite bringt.
Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass Small Caps grundsätzlich schlechte Investments sind. In der Kapitalmarktforschung wird seit Jahrzehnten diskutiert, ob kleinere Unternehmen langfristig eine sogenannte Small-Cap- oder Size-Prämie erzielen können, unter anderem als Entschädigung für höhere Risiken. Ich persönlich würde mich darauf allerdings nicht verlassen.
Die Unternehmensgröße alleine ist für mich kein überzeugendes Argument dafür, dass eine Aktie zukünftig eine höhere Rendite erzielen sollte.
Entscheidend sind für mich vielmehr erfolgreiche Geschäftsmodelle, technologische Entwicklungen oder ganze Branchen, die sich besonders gut entwickeln – und das ist nicht zwangsläufig an die Unternehmensgröße gebunden.
Gerade die großen Gewinner an der Börse sind langfristig für einen überproportional großen Teil der gesamten Marktrendite verantwortlich. Hinzu kommt ein weiterer Effekt: Entwickelt sich ein kleines Unternehmen hervorragend und steigt seine Marktkapitalisierung massiv an, bekommt es in einem nach Marktkapitalisierung gewichteten Index automatisch immer mehr Gewicht. In einem Index, der Small Caps zunächst nicht berücksichtigt, wird ein erfolgreich wachsendes Unternehmen ab einer bestimmten Größe schließlich ebenfalls aufgenommen. Man verpasst dadurch möglicherweise einen Teil des frühen Kursanstiegs, ist aber nicht zwangsläufig bei der gesamten Erfolgsgeschichte außen vor.
0,07 % Kosten: Macht der günstigste Welt-ETF andere ETFs überflüssig?
Die laufenden Kosten von 0,07 % pro Jahr sind zweifellos eine Kampfansage und liegen gerade einmal bei der Hälfte des großen Bruders, des bereits extrem beliebten Vanguard FTSE All-World. Bei einem Anlagevolumen von 100.000 Euro sind das gerade einmal 70 Euro im Jahr, die quasi für das Management bezahlt werden müssen. Natürlich sind die Kosten wichtig. Besonders wenn man über Jahrzehnte anspart, summieren sich selbst kleine Unterschiede durch den Zinseszinseffekt.
Trotzdem sollte man hier die Kirche im Dorf lassen. Auch viele Konkurrenzprodukte liegen bei den laufenden Kosten mittlerweile unter 0,2 % pro Jahr. Damit ist der Unterschied nicht mehr so extrem, wie man zunächst vermuten könnte. Die Zeiten, in denen man für aktiv gemanagte Fonds teilweise 2 % oder noch mehr pro Jahr bezahlt hat, sind bei günstigen ETF-Portfolios ohnehin längst vorbei.
Nur wegen dieser Kampfgebühren die eigene Strategie über den Haufen zu werfen und pauschal auf diesen ETF zu wechseln, halte ich deshalb für nicht sinnvoll – vor allem dann, wenn man bereits auf hohen Buchgewinnen sitzt.
In Österreich und Deutschland gibt es mit den ausschüttungsgleichen Erträgen beziehungsweise der Vorabpauschale zwar Mechanismen, durch die auch während der Haltedauer bereits Steuern anfallen können. Trotzdem bleiben Kursgewinne eines ETFs grundsätzlich so lange unversteuert, bis diese durch einen Verkauf realisiert werden. Genau dadurch kann ein Steuerstundungseffekt entstehen: Das noch nicht für Steuern aufgewendete Kapital bleibt investiert und kann weiterhin Rendite erwirtschaften.
Investiert man bereits seit vielen Jahren in einen ETF und verkauft diesen nun vollständig, nur um auf ein etwas günstigeres Produkt zu wechseln, werden die bis dahin noch nicht versteuerten Kursgewinne realisiert und entsprechend besteuert. Dieser Steuerstundungseffekt kann langfristig deutlich wertvoller sein als die Ersparnis von einigen Euro oder wenigen Basispunkten bei den jährlichen ETF-Kosten.
Vanguard FTSE Global All Cap oder MSCI World?
Möchte man jetzt frisch investieren, lohnt sich durchaus ein Vergleich dieses ETFs mit dem klassischen MSCI World, denn hier gibt es einen entscheidenden Unterschied. Der MSCI World, einer der beliebtesten Indizes überhaupt, investiert ausschließlich in entwickelte Märkte. Emerging Markets wie China, Indien oder Taiwan sind darin nicht enthalten. Der neue FTSE Global All Cap ist zwar ebenfalls deutlich USA-lastig, kommt aktuell aber auf eine Gewichtung von rund 58 % USA gegenüber etwa 69 % beim MSCI World.
Der Unterschied ist damit durchaus vorhanden, aber auch nicht gigantisch. Der Grund für den weiterhin hohen USA-Anteil liegt wieder bei der Marktkapitalisierung. Die größten börsennotierten Unternehmen der Welt kommen derzeit überwiegend aus den USA. Dadurch besitzen amerikanische Unternehmen einen entsprechend großen Anteil an der weltweiten Marktkapitalisierung und werden im ETF automatisch am stärksten gewichtet.
Aber genau dieser Mechanismus ist für mich einer der interessantesten Vorteile eines solchen globalen ETFs gegenüber dem klassischen MSCI World. Niemand weiß, welche Region des Aktienmarktes in 20 oder 30 Jahren dominieren wird. Vielleicht bleiben die USA wirtschaftlich und technologisch weiterhin das Maß der Dinge. Vielleicht holen aber China, Indien oder andere Schwellenländer weiter massiv auf. Mit einem ETF, der diese Regionen ebenfalls berücksichtigt, muss ich diese Entwicklung nicht selbst vorhersagen.
Wachsen beispielsweise Unternehmen aus den Emerging Markets in Zukunft stärker und steigt dadurch ihre Marktkapitalisierung, sind sie automatisch innerhalb des ETFs höher gewichtet. Gleichzeitig verlieren Regionen und Unternehmen an Gewicht, wenn ihre Bedeutung am weltweiten Aktienmarkt zurückgeht. Dadurch passt sich die Zusammensetzung des ETFs laufend an die Entwicklung des globalen Aktienmarktes an, ohne dass ich selbst regelmäßig zwischen einem MSCI World, Emerging-Markets-ETF oder Europa-ETF umschichten und rebalancen muss.
Derzeit ist die zusätzliche regionale Diversifikation allerdings noch überschaubar. Emerging Markets machen ungefähr 10 % und Europa rund 15 % des Portfolios aus, während die USA weiterhin mit Abstand dominieren. Wer also mit diesem ETF bewusst eine aktuell bereits starke Abkehr vom amerikanischen Aktienmarkt erreichen möchte, wird dieses Ziel nicht erreichen.
Auch vor einem größeren Börsencrash schützt diese breitere geografische Streuung nicht. Kommt es zu einer schweren Krise an den US-Börsen, fallen in der Regel auch die Aktienmärkte in Europa, Asien und den Emerging Markets deutlich. Die internationalen Börsen sind dafür viel zu stark miteinander verbunden. Der Vorteil liegt für mich deshalb weniger im Schutz vor kurzfristigen Kursverlusten, sondern vielmehr darin, über Jahrzehnte automatisch auch an der Entwicklung anderer Wirtschaftsräume beteiligt zu sein.
Und genau das sehe ich als einen der größten Vorteile des FTSE Global All Cap gegenüber einem reinen MSCI World.
Ist der Vanguard FTSE Global All Cap der beste ETF?
Damit kommen wir zur entscheidenden Frage: Wann würde ich den neuen Vanguard FTSE Global All Cap kaufen? Für mich hängt die Antwort sehr stark davon ab, wo man als Anleger gerade steht.
Wenn man bereits seit mehreren Jahren verschiedene ETFs bespart und eine funktionierende Strategie für sich gefunden hat, lohnt es sich meiner Meinung nach aufgrund des Steuerthemas nicht, jetzt nur wegen dieses neuen ETFs komplett umzusteigen.
Fährt man allerdings ohnehin eine ähnliche Länder-Gewichtung über mehrere ETFs, könnte der Vanguard FTSE Global All Cap durchaus ein Grund sein, das Portfolio zukünftig einfacher und übersichtlicher zu gestalten.
Auch von den zusätzlich enthaltenen Small Caps würde ich mir keine Wunder erwarten, wie man anhand der vergangenen Performance sehen kann. Sie erhöhen zwar die Marktabdeckung, verändern aufgrund ihrer geringen Gewichtung das Rendite-Risiko-Profil des gesamten ETFs aber nur begrenzt. Hinzu kommt das bereits angesprochene Sampling: Der ETF kauft ohnehin nicht sämtliche Unternehmen des zugrunde liegenden Index tatsächlich, sondern versucht dessen Wertentwicklung mit einer repräsentativen Auswahl möglichst genau nachzubilden.
Besonders interessant finde ich den ETF deshalb bei einem kompletten Neustart. Wer gerade sein Portfolio aufbaut, etwas weniger USA-lastig investieren, dafür mehr vom weltweiten Aktienmarkt abdecken und gleichzeitig nicht mehrere verschiedene ETFs im Portfolio haben möchte, bekommt hier eine durchaus interessante Lösung. Für gerade einmal 0,07 % laufende Kosten erhält man Zugang zu entwickelten Märkten, Emerging Markets sowie Unternehmen unterschiedlichster Größen.
Die bereits etablierten Welt-ETFs würde ich deshalb aber keinesfalls abschreiben. Sie haben nach wie vor ihre Berechtigung und werden auch durch dieses neue Produkt nicht plötzlich überflüssig. Bestehende ETFs auf den MSCI World oder den Vanguard FTSE All-World verfügen teilweise bereits über enorme Fondsvolumen im mehrstelligen Milliardenbereich. Das reduziert unter anderem das Risiko, dass ein Produkt aufgrund mangelnder Wirtschaftlichkeit irgendwann wieder geschlossen wird. Bei einem komplett neuen ETF muss sich dagegen erst zeigen, welches Fondsvolumen er langfristig erreichen wird. Bei einem Anbieter wie Vanguard und einem derart konkurrenzfähigen Produkt würde ich mir darüber allerdings eher wenig Sorgen machen.
In Summe ist der neue Vanguard FTSE Global All Cap für mich definitiv eine interessante Entwicklung. Gleichzeitig zeigt er einen Trend, den wir bereits seit einiger Zeit beobachten können: Die Kosten von ETFs sinken immer weiter. Langfristiges Investieren wird dadurch immer günstiger und mit dem richtigen Broker und einem kostengünstigen ETF fallen Gebühren mittlerweile kaum noch ins Gewicht. Und genau so sollte es beim langfristigen Vermögensaufbau meiner Meinung nach auch sein.
