Software-Aktien nach dem KI-Schock: Sind das jetzt Kaufchancen?
Während sich in den vergangenen Monaten fast alles um NVIDIA, KI-Chips, Rechenzentren und Stromverbrauch gedreht hat, wurde ein anderer Bereich an der Börse deutlich weniger beachtet: Software-Aktien. Und genau dort hat es teilweise richtig gekracht.
Viele bekannte Unternehmen aus dem Softwarebereich haben massiv korrigiert, teils 30, 40 oder sogar über 50 Prozent vom Hoch verloren. Nicht unbedingt, weil diese Unternehmen plötzlich schlechte Geschäfte gemacht haben, sondern weil Anleger eine große Sorge hatten: Wird Künstliche Intelligenz klassische Softwareunternehmen überflüssig machen?

Die Angst dahinter klingt auf den ersten Blick logisch. Wenn man mit wenigen Prompts Software schreiben kann, wenn KI-Agenten immer besser werden und wenn sogar Nicht-Programmierer plötzlich einfache Anwendungen erstellen können, dann stellt sich natürlich die Frage: Warum soll man künftig noch teure Software-Abos bezahlen? Warum braucht ein Unternehmen noch klassische SaaS-Anbieter, wenn es sich viele Funktionen selbst bauen kann?
Genau diese Denkweise führte dazu, dass viele Aktien pauschal verkauft wurden, einfach weil sie irgendetwas mit Software zu tun haben.
Und wie immer an der Börse war diese Reaktion viel zu extrem. Alles, was irgendwie mit Software zu tun hat, ist im Kurs gefallen – unabhängig davon, ob das jeweilige Unternehmen von KI bedroht wird oder sogar davon profitiert.
Die zentrale Frage lautet daher: Hat der Markt bei Software-Aktien übertrieben? Gibt es hier hochwertige Unternehmen, die zu stark abgestraft wurden? Oder ist der Kursrückgang bei manchen Aktien erst der Anfang einer echten Neubewertung?
Warum Software-Aktien so stark gefallen sind
Gleich vorweg der wichtigste Punkt bei diesem Thema: Software ist nicht gleich Software. Es besteht ein gewaltiger Unterschied zwischen einer einfachen Webseite, einem Projektmanagement-Tool, einer Datenbank, einer Cybersecurity-Lösung oder einem ERP-System.
Deshalb bringt es sehr wenig, alle Softwareunternehmen in einen Topf zu werfen und sie pauschal abzustrafen, nur weil KI Software schreiben kann.
Manche Softwareprodukte sind tatsächlich relativ einfach angreifbar. Ich selbst habe mir mit KI bereits für verschiedene Software-Tools, die ich früher genutzt habe, eigene Lösungen gebaut, die genau auf meine Bedürfnisse zugeschnitten sind. Auch für meine Webseite habe ich mehrere einfache Rechner ausschließlich mit KI entwickelt und eingebunden, ohne eine einzige Zeile Code selbst zu schreiben.
Selbst umfangreichere Anwendungen wie Aktien Portfolio-Tracker, Haushaltsbücher oder andere Apps, die es als klassische SaaS-Produkte gibt und die ich früher teilweise sogar selbst entwickelt oder betrieben habe, lasse ich mir mittlerweile von KI programmieren – obwohl ich sie auch selbst entwickeln könnte.
Ich starte einen KI-Agenten, beschreibe ihm meine Anforderungen und nach einigen Stunden Arbeit steht eine funktionierende Software. Vor wenigen Jahren hätte dafür ein kleines Entwicklerteam mehrere Wochen oder sogar Monate benötigt.
Genau diese Erfahrung haben inzwischen Millionen Menschen weltweit gemacht. Das hat natürlich dazu geführt, dass viele Softwareunternehmen an der Börse massiv unter Druck geraten sind. Anleger hatten plötzlich die Sorge, dass sich jeder seine Software künftig selbst entwickelt oder neue Start-ups mit Hilfe von KI deutlich schneller und günstiger Konkurrenzprodukte auf den Markt bringen können.
Nicht jede Software ist gleich
Aber genau hier entsteht aus meiner Sicht der entscheidende Denkfehler. Nur weil KI Software schreiben kann, bedeutet das noch lange nicht, dass jede Software plötzlich überflüssig wird. Ein schnell entwickelter Prototyp ist nicht dasselbe wie eine stabile Unternehmenslösung, die von tausenden Mitarbeitern genutzt wird oder rund um die Uhr im 24/7-Betrieb zuverlässig funktionieren muss. Eine kleine App ist etwas völlig anderes als ein ERP-System, eine hochverfügbare Datenbank oder eine Sicherheitssoftware, die Unternehmen vor Cyberangriffen schützt.
KI kann heute bereits unglaublich viel und ist ein enormer Produktivitätsbooster in der Softwareentwicklung. Aber aus meiner eigenen Erfahrung als Softwareentwickler kann ich aber sagen, dass sie noch lange nicht in der Lage ist, hochkomplexe Unternehmenssoftware vollständig selbst zu entwickeln. Und ich glaube auch, dass sie dafür noch einige Jahre benötigen wird.
Genau deshalb lohnt es sich, Softwareunternehmen in verschiedene Gruppen einzuteilen, wenn man beurteilen möchte, ob sie durch KI tatsächlich bedroht sind oder ob der Markt sie zu Unrecht abgestraft hat.
Die möglichen Software-Gewinner der KI-Revolution
Zur ersten Gruppe gehören Unternehmen, die durch KI langfristig eher stärker als schwächer werden könnten. Der Grund dafür ist, dass sie KI tief in ihre bestehenden Produkte integrieren und dadurch zusätzliche Umsätze erzielen können.
Gleich vorweg: Die hier genannten Unternehmen stellen keine Anlageempfehlung dar. Am Ende ist es auch hier unglaublich schwierig vorherzusagen, wie stark KI einzelne Geschäftsbereiche verändern oder bestehende Umsätze unter Druck setzen wird. Die Beispiele sollen lediglich zeigen, welche Arten von Softwareunternehmen aus heutiger Sicht eher zu den möglichen Profiteuren zählen.
Microsoft
Eines der offensichtlichsten Beispiele ist Microsoft. Das Unternehmen gehörte zunächst zu den größten Gewinnern des KI-Booms, wurde später jedoch ebenfalls vom allgemeinen Ausverkauf im Softwaresektor erfasst. Dabei ist es aus meiner Sicht wenig realistisch, dass KI in den nächsten Jahren vollständige Betriebssysteme oder die gesamte Microsoft-Produktwelt ersetzt.
Stattdessen nutzt Microsoft KI, um den eigenen Kunden einen Mehrwert zu bieten. Copilot wird immer tiefer in Office, Teams und Windows integriert, Entwickler profitieren von KI-gestützten Programmierwerkzeugen, und gleichzeitig verdient Microsoft über Azure an der enorm steigenden Nachfrage nach Cloud-Infrastruktur für KI-Anwendungen. Hinzu kommt, dass Microsoft an eigenen, schlankeren KI-Modellen arbeitet, um langfristig unabhängiger von OpenAI zu werden. Genau diese Kombination macht Microsoft eher zu einem Profiteur als zu einem Verlierer der KI-Revolution.
Datenbank-Unternehmen
Auch Unternehmen aus dem Datenbankbereich zählen für mich zu den möglichen Gewinnern. Beispiele hierfür sind Oracle. Datenbanken werden unabhängig davon benötigt, ob eine Software von einem Menschen oder einem KI-Agenten entwickelt wurde. Jede Anwendung muss ihre Daten dauerhaft speichern, verwalten und abrufen können. Je mehr Anwendungen durch KI entstehen, desto größer wird auch der Bedarf an einer stabilen und performanten Datenbasis.
Gleichzeitig handelt es sich hierbei um hochkomplexe Systeme, die tief in Unternehmensprozesse und bestehende Softwarelösungen integriert sind und sich nicht einfach austauschen lassen. Eine Datenbankmigration ist für viele Unternehmen eines der aufwendigsten IT-Projekte überhaupt. Genau deshalb sehe ich hier eher Chancen als Risiken.
Cybersecurity
Ein weiteres spannendes Feld ist Cybersecurity. Gerade wenn KI immer leistungsfähiger wird, können auch Cyberkriminelle ihre Angriffe automatisieren und deutlich effizienter gestalten. Sicherheitssoftware wird dadurch nicht weniger wichtig, sondern eher noch wichtiger.
Unternehmen wie Palo Alto Networks oder CrowdStrike entwickeln hochkomplexe Sicherheitslösungen, für die tiefes Know-how über Betriebssysteme, Netzwerke, Angriffsvektoren und Sicherheitsarchitekturen notwendig ist. Solche Lösungen lassen sich nicht einfach mit ein paar Prompts nachbauen. Eine selbst entwickelte KI-Anwendung wird kaum ein großes Unternehmen zuverlässig vor professionellen Cyberangriffen schützen können. Deshalb dürfte der Bedarf an spezialisierter Sicherheitssoftware in den kommenden Jahren eher steigen. Die Börse hat das bereits erkannt und diese Unternehmen werden aktuell massiv nach oben gezogen.
Diese Unternehmen sollen lediglich beispielhaft zeigen, dass es im Softwaresektor zahlreiche Geschäftsmodelle gibt, die durch KI nicht verdrängt werden, sondern im Idealfall sogar davon profitieren können. Genauso gibt es aber auch eine große Grauzone an Unternehmen, bei denen heute noch völlig offen ist, ob KI langfristig eher Chance oder Risiko sein wird. Genau diese Unternehmen schauen wir uns als Nächstes an.
Die Grauzone: Unternehmen, bei denen die Auswirkungen von KI noch unklar sind
Die zweite Gruppe umfasst Unternehmen, bei denen es derzeit unglaublich schwierig einzuschätzen ist, wie stark KI das Geschäftsmodell langfristig verändern wird.
ERP oder CRM Systeme
Ein gutes Beispiel sind ERP oder CRM Systeme. Diese sind in Unternehmen oft tief verwurzelt und lassen sich nicht einfach mit ein paar Prompts ersetzen, nur weil eine KI ansprechende Dashboards oder Oberflächen erstellen kann. Viele zentrale Geschäftsprozesse wie Einkauf, Produktion, Lagerverwaltung, Buchhaltung oder Personalwesen sind direkt verbunden. Ein Austausch einer solchen Software ist oft ein mehrjähriges Projekt und mit erheblichen Kosten sowie Risiken verbunden.
Unternehmen wie SAP oder Salesforce würde ich deshalb heute nicht pauschal als Opfer der KI-Revolution einstufen. Beide investieren selbst massiv in KI und bauen ihre Cloud-Angebote kontinuierlich aus. Gleichzeitig verfügen sie über eine enorme installierte Kundenbasis und langjährige Kundenbeziehungen, die sich nicht von heute auf morgen auflösen werden.
Trotzdem gibt es hier auch Risiken. Anpassungen an ERP-Systemen sind häufig sehr teuer. Gerade größere Unternehmen beschäftigen eigene Entwickler oder ganze Teams, die ausschließlich dafür verantwortlich sind, Prozesse innerhalb dieser Systeme anzupassen und weiterzuentwickeln. Genau hier könnte KI künftig einen entscheidenden Einfluss haben. Viele Unternehmen werden mit KI deutlich schneller individuelle Anwendungen, Dashboards oder Prozesslösungen entwickeln können, die exakt auf ihre eigenen Abläufe zugeschnitten sind.
Ich könnte mir deshalb gut vorstellen, dass der eigentliche Kern dieser Unternehmen – also die Datenbasis, die Geschäftslogik und die Speicherung der Unternehmensdaten – auch in Zukunft unverzichtbar bleibt. Die darauf aufbauenden Visualisierungen, Auswertungen oder Benutzeroberflächen könnten jedoch nach und nach durch unternehmenseigene Lösungen ersetzt werden, die mit Unterstützung von KI entwickelt werden.
Genau darin liegt aus meiner Sicht die große Unsicherheit: Es ist durchaus möglich, dass neue KI-Dienstleistungen die wegfallenden Umsätze mehr als ausgleichen. Genauso gut könnte es aber passieren, dass Unternehmen künftig weniger Zusatzmodule und weniger individuelle Anpassungen von den Softwareanbietern benötigen.
Wie sich dieses Spannungsfeld entwickelt, wird sich wahrscheinlich erst in den kommenden Jahren zeigen. Genau deshalb würde ich diese Unternehmen aktuell weder den klaren Gewinnern noch den eindeutigen Verlierern zuordnen.
Gefährdete, tief verwurzelte Unternehmen
Interessant sind auch Unternehmen wie ServiceNow. Das Unternehmen ist tief in Unternehmensprozesse eingebunden und sorgt dafür, dass verschiedenste Workflows innerhalb eines Unternehmens digitalisiert und automatisiert werden. Solche Systeme sind grundsätzlich nur schwer zu ersetzen, weil sie eng mit internen Abläufen und zahlreichen Schnittstellen zu anderen Unternehmenssystemen verknüpft sind.
Gleichzeitig ist genau die Automatisierung solcher Prozesse eine der großen Stärken moderner KI-Agenten. Mit den entsprechenden Schnittstellen könnten diese künftig viele der Aufgaben übernehmen, die heute über klassische Workflow-Plattformen abgewickelt werden. Genau deshalb ist ServiceNow aus meiner Sicht ein typisches Beispiel für die Grauzone. Das Unternehmen investiert selbst massiv in KI und integriert entsprechende Funktionen in seine Plattform, um von diesem Trend zu profitieren. Gleichzeitig sind viele Anleger aber noch skeptisch, ob die neuen KI-Produkte langfristig ausreichen werden, um mögliche Veränderungen des bisherigen Geschäftsmodells vollständig auszugleichen.
Spezialsoftware
Es gibt außerdem Software, die für hochspezialisierte Anwendungsbereiche entwickelt wurde, beispielsweise CAD- und Konstruktionssoftware. Ein bekanntes Beispiel ist Autodesk. Solche Programme kommen unter anderem in der Architektur, im Maschinenbau oder in der Produktentwicklung zum Einsatz und gehören zu den komplexesten Softwarelösungen überhaupt.
Auch hier wird KI zunehmend integriert und kann viele Arbeitsschritte beschleunigen oder unterstützen. Trotzdem ist CAD-Software aus meiner Sicht in den nächsten Jahren nicht mit einer klassischen Softwareentwicklung vergleichbar und daher auch nicht so einfach durch KI ersetzbar. Solche Spezialsoftware ordne ich deshalb ebenfalls eher der Grauzone zu. Sie wird sich durch KI zwar verändern und produktiver werden, dürfte aber zumindest in den kommenden Jahren nicht unmittelbar durch KI verdrängt werden.
Plattformunternehmen
Eine weitere Kategorie, die im Zuge des KI-Hypes ebenfalls unter Druck geraten ist, aus meiner Sicht aber bislang nur wenig von KI bedroht wird, sind Plattformunternehmen wie Scout24 oder Booking Holdings. Beide Unternehmen betreiben äußerst erfolgreiche Plattformen mit Millionen von Nutzern und profitieren von starken Netzwerkeffekten. Natürlich besteht auch hier die Sorge, dass Reisen künftig direkt von einer KI geplant oder Immobilien über einen KI-Assistenten gefunden werden können.
Wer das allerdings mit dem heutigen Stand der Technik bereits ausprobiert hat, merkt schnell, dass dies noch recht holprig funktioniert. Eine KI kann zwar Empfehlungen aussprechen oder Suchanfragen vereinfachen, sie benötigt dafür aber immer eine verlässliche Datenbasis. Genau diese liefern Plattformen wie Scout24 oder Booking. Dort werden Millionen von Inseraten, Hotels oder Ferienunterkünften gepflegt, ständig aktualisiert und mit strukturierten Daten versehen. Erst dadurch werden präzise Filter, aktuelle Verfügbarkeiten und reproduzierbare Suchergebnisse überhaupt möglich.
Aus meiner Sicht wird KI diese Plattformen deshalb eher ergänzen als ersetzen. Wahrscheinlicher ist sogar, dass die Unternehmen KI selbst nutzen werden, um ihre Suche und ihre Empfehlungen weiter zu verbessern. Die eigentliche Stärke dieser Geschäftsmodelle liegt nämlich nicht in der Suchmaske, sondern in der riesigen Datenbasis, den bestehenden Partnerschaften und den Netzwerkeffekten.
Die gefährdeten Software-Geschäftsmodelle durch KI
Die letzte Gruppe umfasst Unternehmen, die die fortschreitende Entwicklung von KI vermutlich am deutlichsten zu spüren bekommen werden. Unternehmen aus dem Bereich Grafik und Design, wie beispielsweise Adobe, sind hierfür bekannte Beispiele. Solche Unternehmen erzielen einen großen Teil ihrer Umsätze mit Software für Bild- und Videobearbeitung oder in Bereichen, die direkt mit der Erstellung kreativer Inhalte zusammenhängen.
Adobe war über viele Jahre eine absolute Traumaktie. Das Unternehmen überzeugte mit starkem Wachstum, einer hervorragenden Börsenperformance, einem äußerst profitablen Abo-Modell und einer enormen Preissetzungsmacht. Genau diese Kombination machte Adobe lange Zeit zu einem der beliebtesten Softwareunternehmen weltweit.
Durch den rasanten Fortschritt der KI hat sich das Umfeld jedoch verändert. Viele Unternehmen haben ihre Marketing- und Kreativabteilungen verkleinert oder Arbeitsabläufe angepasst. Einfache Grafiken für Social Media, Werbebanner oder Illustrationen lassen sich heute bereits mit wenigen Prompts erstaunlich zuverlässig erstellen. Auch Stockfotos und Standardgrafiken verlieren zunehmend an Bedeutung, wenn sich genau das gewünschte Motiv innerhalb weniger Sekunden generieren lässt.
Natürlich ist die KI-Bildgenerierung noch lange nicht perfekt. Wer professionell arbeitet, benötigt weiterhin umfangreiche Bearbeitungsmöglichkeiten, Farbkorrekturen, Ebenen, Animationen und eine präzise Kontrolle über das Endergebnis. Trotzdem ist aus meiner Sicht kaum zu bestreiten, dass KI bereits einen Teil der klassischen Anwendungsfälle übernommen hat und dadurch auch erste Umsätze in diesem Markt verloren gegangen sein dürften.
Unternehmen wie Adobe sind deshalb nicht automatisch schlechte Unternehmen und werden durch KI sicherlich nicht von heute auf morgen verdrängt. Sie verfügen weiterhin über eine enorme Nutzerbasis, starke Marken und entwickeln selbst leistungsfähige KI-Werkzeuge, die direkt in ihre Produkte integriert werden.
Im Vergleich zu vielen anderen Softwareunternehmen greift KI hier jedoch deutlich unmittelbarer in das Kerngeschäft ein. Genau deshalb gehören diese Unternehmen für mich zu den spannendsten Beobachtungskandidaten der kommenden Jahre. Entscheidend wird sein, ob die neuen KI-Produkte die möglicherweise wegfallenden Umsätze aus den klassischen Geschäftsbereichen vollständig kompensieren oder sogar übertreffen können. Diese Entwicklung wird sich wahrscheinlich erst anhand der kommenden Quartalszahlen und der langfristigen Umsatz- und Gewinnentwicklung zuverlässig beurteilen lassen.
Eine gefallene Aktie ist nicht automatisch günstig
Natürlich locken viele Software-Aktien, die früher zu den absoluten Lieblingen an der Börse gehörten, mittlerweile mit deutlich günstigeren Kursen. Trotzdem ist Vorsicht geboten. Nur weil eine Aktie um 50 Prozent gefallen ist, bedeutet das noch lange nicht, dass sie automatisch ein Schnäppchen ist. Viele Softwareunternehmen waren über Jahre hinweg extrem hoch bewertet.
Ein Beispiel (ohne Wertung) ist ServiceNow. Die Aktie hat zeitweise deutlich mehr als 50 Prozent ihres Wertes verloren und wird dennoch – trotz dieser starken Korrektur – weiterhin mit einem sehr hohen Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 60 bewertet. Eine solche Bewertung setzt auch künftig ein starkes Umsatz- und Gewinnwachstum voraus. Allein ein deutlicher Kursrückgang macht eine Aktie also noch nicht automatisch attraktiv.
Das bedeutet, dass man jetzt nicht blind jede gefallene Software-Aktie kaufen sollte. Zwar zeigen viele Unternehmen nach der starken Korrektur bereits erste Erholungsbewegungen und die ersten Kurse ziehen wieder an. Von einer klar bestätigten Bodenbildung, bei der sich ein langfristiger Aufwärtstrend etabliert hat, kann man derzeit aber noch nicht bei allen Unternehmen sprechen.
Gleichzeitig scheint die Euphorie rund um das Thema KI langsam etwas nachzulassen. Genau in solchen Phasen beginnen viele Anleger wieder differenzierter zu analysieren und erinnern sich an Qualitätsunternehmen, die sie vor dem KI-Schock gerne gekauft haben. Statt den gesamten Softwaresektor pauschal abzuschreiben, rücken nun wieder die einzelnen Geschäftsmodelle und deren tatsächliche Chancen und Risiken in den Fokus.
Ich persönlich finde deshalb, dass sich genau jetzt ein genauer Blick auf diesen Sektor lohnt. Die ersten Software-Aktien habe ich bereits für mein eigenes Portfolio gekauft und ich werde die Entwicklung in den kommenden Quartalen aufmerksam verfolgen.
Vor allem die nächsten Quartalszahlen werden zeigen, welche Unternehmen KI tatsächlich als Wachstumstreiber nutzen können und bei welchen sich die befürchteten Auswirkungen auf Umsatz und Gewinn wirklich bemerkbar machen.
