Humanoide Roboter – der nächste Megatrend?
Künstliche Intelligenz hat in den letzten Jahren die Börse dominiert. Unternehmen wie NVIDIA, Microsoft oder OpenAI haben gezeigt, wie schnell sich neue Technologien zu einem milliardenschweren Markt entwickeln können. Doch inmitten des aktuellen KI-Hypes zeichnet sich jetzt schon bereits der nächste große Technologietrend ab: humanoide Roboter.
Der Grund ist einfach. KI hat zunächst vor allem Büroarbeitsplätze verändert. Texte schreiben, Daten analysieren, programmieren oder Medieninhalte generieren – all das kann heute bereits teilweise automatisiert werden. Der nächste Schritt ist jedoch deutlich größer: KI verlässt den Bildschirm und bekommt Arme und Beine.
Mittlerweile sind humanoide Roboter keine Science-Fiction mehr und auch nicht nur der Inhalt beeindruckender Werbevideos. Stattdessen erobern sie in ersten Anwendungsfällen bereits die Produktion großer Unternehmen, und die ersten Serienproduktionen werden aufgebaut. Für Anleger könnte sich hier ein neuer Megatrend mit Ansage entwickeln.
Grund genug also, sich die Frage zu stellen, ob man bereits heute von dieser Entwicklung profitieren kann.
Humanoide Roboter in den ersten Produktivanwendungen
Der erste Impuls, wenn man diese teilweise sehr beeindruckenden Werbevideos sieht, ist, sich sofort Unternehmen zu suchen, die selbst humanoide Roboter bauen. Allerdings wird man dabei schnell von der Vielzahl an Firmen überwältigt, die sich aktuell mit diesem Thema beschäftigen.
Beinahe jeder große Autobauer oder jedes große Industrieunternehmen mit umfangreicher Produktion arbeitet inzwischen mit einem Startup zusammen, das humanoide Roboter entwickelt oder testet.
Man muss allerdings vorsichtig sein. Viele der Use Cases, die derzeit auf YouTube oder in den sozialen Medien gezeigt werden, befinden sich noch im Pilotbetrieb oder dienen vor allem Marketingzwecken.
Es gibt jedoch bereits echte Anwendungsfälle. Ein Beispiel ist Figure AI. Dessen Roboter Figure 02 wurde bei BMW in einer realen Produktionsumgebung eingesetzt und war an der Fertigung von über 30.000 Fahrzeugen beteiligt. Dabei wurden enorme Mengen an Daten gesammelt, die nun genutzt werden, um die Entwicklung der nächsten Robotergeneration Figure 03 weiter zu beschleunigen.
Die Liste der Unternehmen, die an diesem Markt arbeiten, ist allerdings lang. Egal ob Unitree, das mit extrem beweglichen und technisch beeindruckenden Robotern auf sich aufmerksam macht, UBTECH, das bereits an einer Massenproduktion arbeitet, oder Mercedes-Benz, das humanoide Roboter in ersten Fabrikumgebungen testet – die Dynamik in diesem Markt nimmt spürbar zu.
Natürlich darf auch Tesla mit seinem Optimus-Roboter nicht unerwähnt bleiben. Elon Musk spricht hier bereits von langfristig Millionen produzierten Einheiten pro Jahr.
Viele dieser Unternehmen verfolgen unterschiedliche Ansätze. Einige konzentrieren sich auf Fabriken, andere auf Lagerhäuser oder Logistikzentren. Gemeinsam haben sie jedoch ein Ziel: menschliche Arbeitskraft bei einfachen, wiederkehrenden oder körperlich belastenden Tätigkeiten zu ergänzen oder teilweise zu ersetzen.
Warum sich die Entwicklung gerade beschleunigt
Warum diese Branche gerade so stark an Fahrt aufnimmt, ist eigentlich leicht nachvollziehbar. Unternehmen arbeiten bereits seit Jahrzehnten an humanoiden Robotern. Doch erst jetzt kommen mehrere technologische Entwicklungen gleichzeitig zusammen, die die Fortschritte massiv beschleunigen. Dazu gehören leistungsfähige KI-Modelle, Fortschritte bei Computer Vision, deutlich bessere Sensorik, günstigere Hardware sowie verbesserte Batterietechnologien.
Erst diese Kombination macht es möglich, dass ein Roboter nicht mehr nur vorprogrammierte Bewegungen ausführt, sondern flexibel auf seine Umgebung reagieren und eigenständig Entscheidungen treffen kann.
Viele Experten sprechen deshalb bereits vom möglichen Smartphone-Moment der Robotik. Die Technologie selbst existiert zwar schon lange, doch erst jetzt könnten die Voraussetzungen geschaffen sein, damit humanoide Roboter den Sprung in die breite industrielle Nutzung schaffen.
Wie groß könnte der Markt für Humanoide werden?
Um das Potenzial zu bewerten, stellt sich natürlich zunächst die Frage: Wie groß könnte dieser Markt überhaupt werden?
Hier möchte ich gar keine eigene Milchmädchenrechnung aufstellen, sondern auf zwei bekannte Schätzungen verweisen. Goldman Sachs erwartet für den globalen Markt humanoider Roboter im Jahr 2035 ein Volumen von rund 38 Milliarden US-Dollar. Morgan Stanley ist deutlich optimistischer und prognostiziert langfristig sogar einen Markt von bis zu 5 Billionen US-Dollar bis zum Jahr 2050.
Wie groß der Markt am Ende tatsächlich wird, lässt sich heute noch nicht seriös vorhersagen. Fakt ist jedoch, dass es weltweit mehrere hundert Millionen Industrie-, Lager- und Logistikmitarbeiter gibt – genau auf diese Bereiche zielen viele der heutigen Humanoiden ab.
Sollte ein humanoider Roboter seine Aufgaben nur etwas günstiger als ein Mensch erledigen können und gleichzeitig nahezu rund um die Uhr einsatzfähig sein, wäre das eine revolutionäre Entwicklung. Genau deshalb halten einige Analysten langfristig sogar einen Markt im Billionenbereich für möglich.
Wie können Anleger von der Entwicklung der Humanoiden profitieren?
Für Anleger ergibt sich ein Problem. Zum einen gibt es eine Vielzahl von Unternehmen, die an humanoiden Robotern arbeiten, und zum anderen sind – wie bei vielen technologischen Trends – die spannendsten direkten Hersteller oft gar nicht an der Börse handelbar.
Das war bereits bei der künstlichen Intelligenz ähnlich. Die großen Namen wie OpenAI oder Anthropic sind bis heute nicht börsennotiert und waren lange Zeit nur über Private-Equity-Investitionen oder indirekte Beteiligungen erreichbar.
Direkte Pure Plays im Bereich humanoider Roboter sind aktuell äußerst selten. Eine der wenigen börsennotierten Ausnahmen ist UBTECH Robotics (Ticker: 9880.HK / Börse: Hongkong), das an der Börse in Hongkong gelistet ist und damit gleichzeitig ein gewisses China-Risiko mitbringt.
Viele der bekanntesten Entwickler humanoider Roboter verstecken sich stattdessen innerhalb großer Konzerne:
- Tesla: Wo Elon Musk das Projekt Optimus massiv vorantreibt
- Hyundai: Auch Hyundai ist über seine Mehrheitsbeteiligung an Boston Dynamics in diesem Bereich aktiv.
Daneben gibt es zahlreiche weitere Großunternehmen, die über Beteiligungen, Kooperationen oder eigene Entwicklungen am Markt vertreten sind.
Das Problem dabei: Kauft man diese Konzerne ausschließlich wegen ihrer Humanoid-Aktivitäten, investiert man meist nur in einen sehr kleinen Teil des gesamten Unternehmens. Aktuell tragen humanoide Roboter bei praktisch keinem dieser Konzerne nennenswert zum Umsatz bei. Selbst wenn sich der Markt in den kommenden Jahren hervorragend entwickelt, kann es daher passieren, dass sich dies zunächst wenig auf die Geschäftszahlen des jeweiligen Unternehmens auswirkt.
Wie kann man indirekt investieren?
Doch neben einem direkten Investment gibt es auch die Möglichkeit, indirekt von diesem Trend zu profitieren. Zahlreiche große Technologiekonzerne wie Microsoft, NVIDIA oder Amazon haben bereits frühzeitig in Unternehmen aus dem Bereich humanoider Robotik investiert.
Interessierst du dich für einen bestimmten Hersteller, kann es daher sinnvoll sein zu recherchieren, welche Beteiligungen große Konzerne halten.
In einer Finanzierungsrunde investierten NVIDIA, Microsoft, Jeff Bezos und weitere Investoren gemeinsam rund 675 Millionen US-Dollar in das Startup Figure AI und erhielten dadurch entsprechende Unternehmensanteile.
Auf diese Weise lässt sich das Thema humanoide Roboter teilweise auch über Unternehmen abdecken, die sich möglicherweise bereits im eigenen Portfolio befinden.
Allerdings sollte man auch hier realistisch bleiben. Die Beteiligungen an Robotik-Startups machen bei den meisten Großkonzernen aktuell nur einen kleinen Teil des Gesamtunternehmens aus. Ein Investment in Microsoft, NVIDIA oder Amazon ist daher nicht automatisch ein gezieltes Investment in humanoide Roboter, sondern vielmehr eine indirekte Wette darauf, dass sich diese Beteiligungen langfristig auszahlen könnten.
Venture-Capital-Fonds für humanoide Robotik
Wer es etwas direkter mag oder generell Interesse daran hat, bereits in frühen Phasen in solche Startups zu investieren, kann dies auch über Venture-Capital-Fonds tun. Einer der bekanntesten Fonds in diesem Bereich ist der ARK Venture Fund. Dieser investiert unter anderem in private Unternehmen wie Figure AI, SpaceX, OpenAI oder Anthropic.

Zum Zeitpunkt der letzten veröffentlichten Portfoliodaten machte Figure AI rund 3 % des Fondsvermögens aus. Dadurch erhalten Anleger zumindest indirekt Zugang zu einigen der spannendsten privaten Technologieunternehmen, die aktuell noch nicht an der Börse gehandelt werden.
Allerdings gilt auch hier: Solche Fonds investieren bewusst breit in verschiedene Zukunftstechnologien. Selbst wenn sich Figure AI hervorragend entwickelt, hängt die Wertentwicklung des Fonds nicht ausschließlich von diesem Unternehmen ab. Dafür reduziert sich gleichzeitig das Risiko, alles auf einen einzigen potenziellen Gewinner zu setzen.
Das Investieren in solche Fonds ist allerdings mit hohen Risiken verbunden. Anleger müssen damit rechnen, dass die Bewertungen privater Unternehmen teilweise stark schwanken können und die Volatilität entsprechend hoch ausfällt.
Die Schaufelverkäufer des Roboter-Booms
Wie bereits beim KI-Boom ist es auch bei humanoiden Robotern schwierig, direkt in die spannendsten Unternehmen zu investieren. Hinzu kommt, dass gerade in einer frühen Phase eines solchen Trends kaum absehbar ist, welche Hersteller sich am Ende tatsächlich durchsetzen werden.
Deshalb kann es sinnvoll sein, einen Schritt zurückzugehen und sich an eine alte Börsenweisheit zu erinnern:
Im Goldrausch verdienten oft nicht die Goldsucher das meiste Geld, sondern die Verkäufer von Schaufeln und Ausrüstung.
Genau deshalb lohnt sich auch bei humanoiden Robotern ein Blick auf die zugrunde liegende Infrastruktur und die einzelnen Komponenten. Gelingt es einem Unternehmen, mehrere Hersteller mit wichtigen Bauteilen zu beliefern, wird man als Anleger deutlich unabhängiger vom Erfolg eines einzelnen Robotikunternehmens.
Gerade humanoide Roboter bestehen aus einer Vielzahl spezialisierter Komponenten. Dazu gehören unter anderem Aktuatoren, Gelenke, Präzisionsgetriebe, Sensoren, Kameras, Batterien, KI-Modelle sowie leistungsfähige Rechenhardware. Wer in diesem Bereich einen technologischen Vorsprung besitzt oder sich als wichtiger Zulieferer etablieren kann, könnte langfristig von einem breiten Wachstum der gesamten Branche profitieren.
Interessante Unternehmen in diesem Bereich sind beispielsweise:
- NVIDIA (KI-Modelle, Training, Simulation, Chips) – US67066G1040
- Schaeffler (Aktuatoren, Lager, Antriebstechnik, Bewegungskomponenten) – DE000SHA0100
- Harmonic Drive (Präzisionsgetriebe für Gelenke und Bewegungsachsen) – JP3765150002
- Nabtesco (Präzisionsgetriebe für Roboterachsen) – JP3651210001
Alle genannten Unternehmen sind allerdings ausdrücklich keine Anlageempfehlungen, sondern lediglich Beispiele für Hersteller, die Komponenten für humanoide Roboter liefern könnten oder das Thema bereits in Unternehmenspräsentationen und Zukunftsstrategien erwähnt haben.
Genau hier liegt aktuell auch das Problem für Anleger: Es gibt noch keinen klaren Standard und keinen offensichtlichen Marktführer bei den einzelnen Komponenten. Heute lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, welcher Hersteller in fünf oder zehn Jahren tatsächlich die größten Marktanteile besitzen wird.
Fazit: Mögliche Strategie für das Thema „Humanoide Roboter“ an der Börse
Humanoide Roboter sind keine reine Zukunftsvision mehr. Die ersten Systeme arbeiten bereits in Fabriken und Logistikzentren, sammeln wertvolle Erfahrungen und schaffen damit die Grundlage dafür, dass wir in wenigen Jahren einen deutlich größeren Run auf diese Technologie sehen könnten. Wenn sich dieser Trend tatsächlich durchsetzt, dürfte er nicht nur wenige Monate, sondern über viele Jahre hinweg an Bedeutung gewinnen.
Für Anleger bedeutet das allerdings nicht, dass heute bereits die Gewinner feststehen. In diesem Markt wird sich noch vieles drehen und wenden.
Meiner Meinung nach ist es aber auch gar nicht notwendig, die zukünftigen Gewinner schon heute erraten zu müssen.
Der Markt ist noch jung. Es gibt viele Startups, viele Unternehmen werden scheitern, einige werden übernommen werden, andere werden niemals profitabel arbeiten. Gleichzeitig wird einem die Entscheidung, in welche Titel man investieren könnte, derzeit teilweise sogar abgenommen. Kaum ein direkter Hersteller ist börsennotiert, und auch viele potenzielle Zulieferer sind große Konzerne, bei denen das Thema humanoide Roboter in den nächsten Jahren wahrscheinlich noch eine Randerscheinung bleiben wird.
Darum ist es extrem wichtig, in den kommenden Jahren einige Dinge aufmerksam zu beobachten:
- Wer erhält die ersten großen Aufträge?
- Welche Hersteller schaffen wirklich den Sprung in eine größere Produktion?
- Welche Zulieferer tauchen immer wieder auf?
- Welche Unternehmen werden in den Börsenmedien plötzlich regelmäßig mit diesem Trend verbunden?
- Wo entstehen tatsächlich relevante Umsätze?
An der Börse ist dieser Trend aufgrund der fehlenden Investierbarkeit noch nicht wirklich angekommen. Gleichzeitig haben sich die wahren Profiteure noch nicht klar herauskristallisiert. Genau deshalb kann man sich aus meiner Sicht jetzt noch relativ entspannt zurücklehnen und diesen Trend aufmerksam verfolgen.
Ich persönlich werde heute noch in keine einzelne Aktie oder einen Venture-Capital-Fonds investieren, nur um dieses Thema gezielt abzudecken. Zum einen halte ich bereits Positionen in mehreren relevanten Technologiekonzernen. Zum anderen habe ich für mich selbst nicht den Anspruch, bei der Entstehung eines neuen Trends unbedingt die ersten 10 bis 20 Prozent Kursgewinn mitzunehmen.

Wenn sich ein Trend wirklich an der Börse entwickelt, läuft er erfahrungsgemäß nicht nur ein paar Tage oder Wochen. Das haben wir beim KI-Boom sehr gut gesehen. Das wohl plakativste Beispiel ist die NVIDIA-Aktie. Seit dem Launch von ChatGPT am 30. November 2022 ist die Aktie trotz einiger Rücksetzer über einen langen Zeitraum massiv gestiegen. Natürlich ist NVIDIA das Paradebeispiel und nicht jede Aktie entwickelt sich so. Aber es zeigt sehr gut, dass man bei einem großen Trend nicht in der ersten Minute dabei sein muss.
Erst wenn man merkt, dass das Thema immer häufiger in den Medien auftaucht, in Börsenmedien aufgegriffen wird und sich erste echte Profiteure zeigen, kann man immer noch gezielter zugreifen. Vielleicht ist dann auch schon deutlich klarer, welche Unternehmen wirklich von humanoiden Robotern profitieren.
Für mich ist das ein unglaublich spannendes Thema, das ich nicht nur aus Börsensicht weiterverfolgen werde. Es lohnt sich definitiv, humanoide Roboter bereits heute auf dem Radar zu haben und regelmäßig alle paar Monate zu prüfen, wie sich die entsprechenden Unternehmen, Aufträge und Umsätze entwickeln. So läuft man nicht Gefahr, diesen möglichen nächsten Megatrend zu verpassen.
