5 % sichere Rendite mit Anleihen-ETFs? Worauf du achten musst!

Aktuell glauben viele Anleger, dass sich mit Anleihen oder Anleihen-ETFs wieder relativ sichere Renditen von drei bis fünf Prozent erzielen lassen. Doch ganz so einfach ist es nicht, denn viele bedenken nicht, welche Auswirkungen Zinsänderungen auf Anleihen haben können und dass Anleihen ebenfalls stark fallen können, genauso wie Aktien.

Über viele Jahre waren Anleihen für Privatanleger praktisch kein Thema mehr. Die Zinsen lagen nahe null, teilweise sogar im negativen Bereich. Wer investieren wollte, ging deshalb fast automatisch in Aktien oder Aktien-ETFs. Und wer kein Risiko wollte, ließ sein Geld einfach auf dem Tagesgeldkonto liegen.

Wer sich noch an viele Jahre zurückerinnern kann, weiß: Auch viele Portfolio-Strategien haben sich in dieser Phase verändert. Früher galt lange Zeit die klassische Aufteilung von 60 % Aktien und 40 % Anleihen.

In der Niedrigzinsphase ist dieses Modell bei vielen Anlegern praktisch verschwunden. Durchgesetzt haben sich stattdessen Strategien, die ausschließlich auf Aktien basieren. Ein Klassiker war die Aufteilung von 70 % auf entwickelte Märkte und 30 % auf Schwellenländer.

Der Grund war einfach: Anleihen brachten schlicht kaum Rendite.

Inzwischen hat sich das Umfeld aber deutlich verändert. Durch die gestiegenen Zinsen sind Anleihen plötzlich wieder eine Anlageklasse, über die man zumindest nachdenken kann. Die Auswahl einzelner Anleihen wirkt für viele Anleger noch immer eher riskant und undurchschaubar. Daher investieren viele lieber in Anleihen-ETFs, die eine große Anzahl von Anleihen bündeln.

Viele Anleihen-ETFs liefern aktuell Renditen im Bereich von etwa 3 % bis 5 % – etwas, das vor wenigen Jahren noch kaum vorstellbar war.

Weltweit sind inzwischen über 3 Billionen Dollar in Anleihen-ETFs investiert.

Gerade in Phasen, in denen der Aktienmarkt nervöser wird, stärker schwankt und eine Korrektur droht, wenden sich viele deshalb wieder dieser Anlageklasse zu. Sie dient nicht als Ersatz für Aktien, sondern als ruhigerer Teil des Portfolios, der für etwas Stabilität sorgen kann.

Wichtig ist dabei: Anleihen-ETFs sind keine völlig passive Anlage, die man einfach kauft und nie wieder anschaut. Es gibt hier einige Dinge, die man laufend beachten muss.


Warum Anleihen wieder Zinsen bringen

Der wichtigste Grund für das Comeback der Anleihen ist die Inflation der letzten Jahre. Viele Preise sind deutlich gestiegen – besonders bei Energie, Lebensmitteln und Dienstleistungen. Um diese Inflation zu bekämpfen, haben die Zentralbanken die Zinsen stark angehoben.

Auch die Europäische Zentralbank hat die Zinsen deutlich erhöht. Aktuell (März 2026) liegen die wichtigsten Zinssätze der EZB bei:

• Einlagezins: etwa 2 %
• Hauptrefinanzierungssatz: etwa 2,15 %
• Spitzenrefinanzierungssatz: etwa 2,40 %

Damit liegt das Zinsniveau heute deutlich höher als noch vor wenigen Jahren. Genau deshalb werfen auch neue Anleihen wieder spürbare Zinsen ab. Unternehmen und Staaten müssen nämlich mehr Geld in die Hand nehmen, um neue Anleihen auszugeben und die Zinsen dafür zu bezahlen.

Das ist letztlich auch der Grund, warum Anleihen-ETFs aktuell wieder interessant werden.


Der wichtigste Punkt bei Anleihen: Zinsen und Inflation

Der wichtigste Einflussfaktor für Anleihen sind logischerweise die Zinsen, die wiederum stark mit der Inflation zusammenhängen. Steigt die Inflation, reagieren Zentralbanken in der Regel mit höheren Zinsen. Das hat einen entscheidenden Effekt auf bestehende Anleihen.

Wenn neue Anleihen plötzlich höhere Zinsen bieten, werden ältere Anleihen mit niedrigeren Zinsen weniger attraktiv. Damit Investoren sie trotzdem kaufen, müssen sie im Preis sinken.

Deshalb gilt grundsätzlich: Steigende Zinsen führen zu fallenden Anleihekursen bestehender Anleihen.

Umgekehrt funktioniert es genauso. Wenn die Zinsen fallen, werden bestehende Anleihen mit höheren Zinsen attraktiver und steigen im Kurs.

Das bedeutet auch: Anleihen-ETFs reagieren deutlich auf Veränderungen der Zinsen.

Anleihen können deutlich schwanken

Viele Anleger verbinden Anleihen automatisch mit Stabilität. Das stimmt zwar grundsätzlich – aber man sollte sich trotzdem bewusst sein, dass auch Anleihen fallen können.

Ein gutes Beispiel dafür ist das Jahr 2022:

Durch die schnellen Zinserhöhungen sind viele Anleihen-ETFs deutlich gefallen. Teilweise lagen die Verluste sogar im zweistelligen Bereich.

Auch in anderen Krisenphasen kann es kurzfristig stärkere Bewegungen geben. Während der Corona-Turbulenzen ist ein kurzfristiger Unternehmensanleihen-ETF zum Beispiel zeitweise um etwa 6,9 % gefallen, bevor sich der Markt wieder stabilisiert hat.

Das zeigt: Anleihen sind meist ruhiger als Aktien – aber sie sind trotzdem keine vollkommen risikofreie Anlage.


Laufzeit bei Anleihen macht einen großen Unterschied

Ein Punkt, den viele Anleger unterschätzen, ist die Laufzeit der Anleihen, vor allem in Kombination innerhalb eines ETFs. Kurzlaufende Anleihen reagieren deutlich weniger stark auf Zinsänderungen, da sie näher an der Rendite aktueller Anleihen liegen.

Langlaufende Anleihen reagieren dagegen deutlich empfindlicher auf Zinsänderungen. Schon kleine Veränderungen der Zinsen können hier zu größeren Kursbewegungen führen.

Wenn möglich und wenn ich davon ausgehe, dass sich die Zinsen erhöhen könnten, setze ich persönlich bevorzugt auf kurzlaufende Anleihen-ETFs.

Der Grund ist relativ einfach: Sie bilden das aktuelle Zinsniveau oft realistischer ab und in den darauffolgenden Monaten nach einer Zinserhöhung werden die Anleihen im ETF nach und nach ausgetauscht, sodass man relativ schnell wieder näher am aktuellen Zinsniveau liegt.

Bei langlaufenden Anleihen ist das hingegen anders. Diese laufen oft noch zwei bis drei Jahre oder länger, wodurch der ETF über einen längeren Zeitraum eine deutlich niedrigere Rendite enthalten kann.


Wie ich Anleihen aktuell im Portfolio sehe

In der aktuellen Situation sehe ich Anleihen-ETFs durchaus als interessante Ergänzung im Portfolio. Vor allem in Phasen, in denen der Aktienmarkt etwas nervöser wird, kann ein solcher Baustein helfen, das Portfolio etwas ruhiger zu gestalten.

Vor Kurzem habe ich einen Artikel veröffentlicht, in dem ich einen größeren Aktienverkauf beschrieben habe. Einen Teil dieses Verkaufs habe ich anschließend in Anleihen-ETFs investiert.

Man bekommt regelmäßige Zinsen und muss sich nicht täglich Gedanken über starke Kursschwankungen machen.

Trotzdem sollte man dabei immer ein Auge auf die Zinsentwicklung behalten!

Wenn die Inflation durch Faktoren wie steigende Energiepreise oder geopolitische Konflikte wieder stärker anzieht, könnten die Zentralbanken gezwungen sein, die Zinsen länger hoch zu halten oder sogar wieder leicht zu erhöhen. Und selbst kleine Zinserhöhungen können dazu führen, dass bestehende Anleihen-ETFs im Kurs nachgeben.

Wieder vollständig auf altbekannte Strategien wie die Aufteilung 60 % Aktien und 40 % Anleihen zu setzen, sehe ich derzeit nicht. Es kann aber durchaus sinnvoll sein, einen Teil seines Notgroschens oder der Liquidität, die man später in den Aktienmarkt investieren möchte, zwischenzeitlich in Anleihen-ETFs zu parken, um zumindest etwas Zinsen zu erhalten.


Fazit: Interessant – aber nicht völlig passiv

Anleihen-ETFs sind nach vielen Jahren niedriger Zinsen wieder eine Anlageklasse, die man sich anschauen kann. Sie können aktuell durchaus interessante Renditen im Bereich von etwa 3 % bis 5 % liefern und gleichzeitig etwas Stabilität ins Portfolio bringen.

Trotzdem sollte man sie nicht als völlig passive Anlage betrachten.

Ihre Entwicklung hängt stark davon ab, wie sich Inflation und Zinsen entwickeln. Gerade in Phasen steigender Zinsen können Anleihen-ETFs auch kurzfristig im Kurs fallen. Die geopolitische Lage und steigende Energiepreise könnten dafür sorgen, dass die Inflation länger hoch bleibt. Hier bedeutet das, dass man die Zinsentwicklung genau im Auge behalten muss!

Deshalb sehe ich sie eher als ergänzenden Portfolio-Baustein, der in bestimmten Marktphasen helfen kann, etwas mehr Ruhe ins Depot zu bringen – aber nicht als Ersatz für langfristige Aktieninvestments.

Und genau deshalb lohnt es sich, beim Thema Anleihen nicht nur auf die Rendite zu schauen, sondern immer auch auf das aktuelle Zinsumfeld.

Von Daniel

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