Blutbad bei Gold! Warum wenden sich jetzt alle ab? (Gold Update)
Unglaubliche Stimmungsumkehr, wenn es um Gold geht. Monatelang gab es nur eine Richtung – nämlich nach oben. Ein Rekordstand jagte den nächsten und viele träumten bereits von Kurszielen von 10.000 US-Dollar, vor allem getrieben durch die enormen Goldkäufe der Zentralbanken.
Plötzlich kippt die Stimmung und alles sieht völlig anders aus. Der Goldpreis steht massiv unter Druck, fällt sogar wieder unter die Marke von 4.000 US-Dollar und sein Rekordhoch von kurzfristig rund 5.594,34 US-Dollar scheint plötzlich weit entfernt.
Mittlerweile beträgt der Einbruch vom Allzeithoch satte 28 Prozent.
Die ersten Meldungen über Zentralbanken, die Gold verkaufen, erscheinen in den Medien und die Kursziele der Großbanken werden reihenweise nach unten korrigiert. Ein Szenario, das ich in meinen Videos über Edelmetalle in den vergangenen Monaten immer wieder beschrieben habe und das nun tatsächlich eingetreten ist.
Für viele Anleger ist das allerdings die pure Panik – insbesondere für jene, die erst zu den Höchstkursen eingestiegen sind. Anlass genug also, sich in diesem Artikel dem starken Rückgang des Goldpreises zu widmen. Warum fällt Gold aktuell so deutlich? Dreht sich die Stimmung nachhaltig? Bedeutet das das Ende der Goldstory oder erleben wir lediglich eine völlig normale Korrektur innerhalb eines langfristigen Aufwärtstrends?
Warum fällt der Goldpreis überhaupt?
Auf den ersten Blick wirkt der Kursrückgang etwas überraschend. Schließlich haben sich viele der langfristigen Argumente für Gold nicht verändert. Schaut man jedoch etwas genauer hin, wird schnell klar, warum dieser Markt aktuell – zumindest laut Medienberichten – unter Druck steht.
ETC-Abflüsse bei Gold

Ein Beschleuniger dieser Abverkäufe sind die deutlichen Kapitalabflüsse aus Gold-ETCs. Ein Beispiel hierfür ist einer der größten Gold-ETCs, aus dem seit Wochen massiv Kapital abgezogen wird – allein bei diesem einen ETC sind es 7 Milliarden Euro. Verkaufen Anleger ihre Anteile, müssen die Anbieter entsprechend Goldbestände abbauen. Dadurch erhöht sich der Verkaufsdruck am Markt zusätzlich und verstärkt den Preisrückgang.
Amerikanische Geldpolitik
Der wichtigste Faktor ist derzeit die amerikanische Geldpolitik. Noch vor einigen Monaten gingen viele davon aus, dass die Notenbank ihre Zinsen mehrfach senken würde. Geld sollte also wieder billiger werden, auch um die Entschuldung der USA voranzutreiben. Vor allem durch den Wechsel an der Spitze der Notenbank – von Jerome Powell zu Kevin Warsh – war diese Hoffnung entsprechend groß.

Wie bereits in einem anderen Artikel (Zinserhöhung! Was die neuen Entscheidungen von FED und EZB für Anleger bedeuten) beschrieben, hat sich diese Erwartung allerdings nicht erfüllt. Die Inflation hält sich hartnäckiger als erwartet, vor allem auch durch die Situation im Nahen Osten. Der neue Notenbankchef Kevin Warsh hat die Zinsen vorerst beibehalten, und mehrere Währungshüter sprechen mittlerweile sogar davon, die Zinsen wieder anzuheben.
Eine Entwicklung, die vor allem für Gold immer problematisch ist. Professionelle Investoren kategorisieren Gold als nicht produktives Asset, da es weder Zinsen noch Dividenden abwirft. Steigen die Renditen von Staatsanleihen, erhöhen sich automatisch die Opportunitätskosten von Gold. Viele institutionelle Anleger schichten deshalb bei steigenden Zinsen Kapital aus Gold in verzinste Anlagen um.

Erschwerend kommt der starke US-Dollar hinzu. Da Gold weltweit in US-Dollar gehandelt wird, verteuert ein steigender Dollar den Kauf des Edelmetalls für Anleger außerhalb der USA. Dadurch sinkt die Nachfrage zusätzlich. Genau diese Kombination aus höheren Realzinsen und einem stärkeren Dollar gilt derzeit als wichtigster Belastungsfaktor für den Goldpreis.
Analysten senken ihre Kursziele beim Goldpreis
Auch bei den Großbanken lässt sich mittlerweile ein deutlicher Stimmungswechsel erkennen. Noch Anfang des Jahres wurden Goldpreisziele von über 6.000 US-Dollar genannt. Inzwischen wurden viele dieser Prognosen wieder nach unten korrigiert und die Analysten zeigen sich kurzfristig deutlich vorsichtiger.
- Goldman Sachs von 5.400 USD auf 4.900 USD gesenkt
- ING von 5.000 USD auf jetzt 4.300 USD gesenkt
- …
Interessant ist jedoch, dass die meisten großen Investmentbanken ihre langfristig positive Einschätzung für Gold nicht aufgegeben haben. Trotz der gesenkten Kursziele gehen viele weiterhin davon aus, dass sich der Goldpreis auf einem historisch hohen Niveau behaupten oder mittelfristig sogar wieder zulegen kann.
Meiner Meinung nach zeigen diese Prognosen aber auch ein grundsätzliches Problem. Häufig orientieren sich Analystenschätzungen sehr stark am aktuellen Marktumfeld. Steigt der Goldpreis über Monate hinweg kräftig, werden die Kursziele nach oben angepasst. Fällt der Goldpreis deutlich, werden sie wieder nach unten korrigiert. Dadurch laufen viele Prognosen der tatsächlichen Kursentwicklung eher hinterher, anstatt sie frühzeitig vorherzusagen. Deshalb sollten Anleger solche Kursziele zwar zur Kenntnis nehmen, sie aber keinesfalls als alleinige Grundlage für ihre Investmententscheidungen verwenden.
Die eigentliche Ursache für den Goldpreisabsturz
Einer der am häufigsten genannten Gründe in den Medien ist genau jener, den ich bereits in vielen Artikeln und YouTube-Videos immer wieder angesprochen habe: die klassischen Gewinnmitnahmen.

Gold war in den vergangenen zwei Jahren einer der stärksten Vermögenswerte überhaupt. Nach so einer Rallye ist es völlig normal, dass große Investoren einen Teil ihrer Gewinne realisieren. Viele Fonds verfolgen dabei feste Regeln und reduzieren ihre Positionen automatisch, sobald bestimmte Kursziele erreicht wurden und sie einen gewisse Positionsgröße im Portfolio überschreiten.

Hier merkt man sehr gut das typische Verhalten vieler Anleger, die erst durch das gestiegene Interesse und die immer größere Präsenz des Goldpreises in den Medien auf das Edelmetall aufmerksam geworden sind. Wer dagegen schon seit vielen Jahren langfristig in Gold investiert, den dürfte diese kurzfristige Entwicklung kaum beunruhigen. Wer allerdings erst in den vergangenen Monaten nahe der Höchststände eingestiegen ist, den überrascht ein Kursrückgang von fast 30 Prozent natürlich.
Viele Anleger haben in den vergangenen Monaten schlicht FOMO – also die Angst, etwas zu verpassen – entwickelt und Gold gekauft, obwohl sie sich zuvor kaum für dieses Edelmetall interessiert haben. Das Problem dabei ist, dass viele Anleger erst dann aufspringen, wenn ein Markt bereits stark gestiegen ist und überall über neue Rekorde gesprochen wird. Oft befindet sich der Markt zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits in einer Phase, in der eine Korrektur immer wahrscheinlicher wird.
Investiert man dann einen größeren Geldbetrag auf einmal und korrigiert dieses Investment kurz darauf um einige Prozent oder sogar zweistellig, ist das für den einzelnen Anleger natürlich schmerzhaft. Für funktionierende Märkte ist dieses Verhalten jedoch völlig normal – ganz egal, ob es sich um Gold, Aktien oder andere Anlageklassen handelt.
Euphorie wird früher oder später fast immer von Ernüchterung abgelöst.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, wie stark der Kurs kurzfristig fällt, sondern ob sich die fundamentalen Rahmenbedingungen tatsächlich verändert haben.
Verkaufen jetzt sogar die Zentralbanken?
Genau hier lohnt sich ein genauerer Blick. Tatsächlich wurde der Goldpreis in den vergangenen Jahren vor allem durch die starken Käufe der Zentralbanken nach oben getrieben. Viele Privatanleger sind erst auf diesen Trend aufgesprungen. Wenn nun die ersten Schlagzeilen erscheinen, dass einzelne Zentralbanken – wie beispielsweise die Türkei – Gold verkaufen, sorgt das natürlich sofort für Verunsicherung und viele Anleger glauben, der langfristige Trend sei gebrochen.
Dabei wird häufig übersehen, dass die Verkäufe der Türkei im März hauptsächlich dem Liquiditätsmanagement und der Stabilisierung der eigenen Währung dienten. Von einer weltweiten Verkaufswelle der Zentralbanken kann daher überhaupt keine Rede sein.

Im Gegenteil: Nach Angaben des World Gold Council planen mittlerweile 45 Prozent aller befragten Zentralbanken, ihre Goldreserven innerhalb der nächsten zwölf Monate weiter auszubauen. Zwar dürfte das Kaufvolumen im Jahr 2026 aufgrund der veränderten geldpolitischen Rahmenbedingungen etwas geringer ausfallen als in den Rekordjahren zuvor, es wird aber voraussichtlich weiterhin deutlich über dem Niveau vor 2022 liegen. Genau diese Nachfrage dürfte den Goldmarkt langfristig stabilisieren.
Meiner Meinung nach hat sich die Goldstory daher grundsätzlich nicht verändert. Die weltweite Staatsverschuldung steigt weiter an, geopolitische Konflikte nehmen eher zu als ab und viele Staaten möchten ihre Währungsreserven breiter diversifizieren, um unabhängiger vom US-Dollar zu werden. Gleichzeitig kaufen die Zentralbanken per saldo weiterhin Gold.
Hat sich die Goldstory also verändert?
Das Einzige, was sich neben der restriktiveren Geldpolitik tatsächlich verändert hat, ist die Stimmung der Anleger. Genau hier machen viele Investoren einen entscheidenden Fehler. Sie verwechseln fallende Kurse mit einer kaputten Investmentstory. Doch das ist nicht dasselbe. Der Goldpreis ist der fundamentalen Entwicklung – und genau darauf habe ich in meinen Artikeln und Videos immer wieder hingewiesen – schlicht vorausgelaufen.
Die aktuelle Korrektur bringt Bewertung und Marktstimmung nun wieder etwas näher zusammen.
Jetzt zeigt sich, wer wirklich langfristig investiert
Jetzt zeigt sich meiner Meinung nach, wer wirklich langfristig investiert. Wer noch vor wenigen Monaten bereit war, Gold für rund 5.000 US-Dollar zu kaufen, warum sollte diese Person heute nicht auch bereit sein, Gold für 4.000 US-Dollar zu erwerben? Schließlich bekommt sie dieselbe Unze Gold heute deutlich günstiger.
Wer hat sich nicht noch vor einigen Monaten gewünscht, früher in den Goldmarkt eingestiegen zu sein? Mittlerweile befinden wir uns wieder auf einem Preisniveau, das wir zuletzt in der zweiten Jahreshälfte 2025 gesehen haben. Wer sich also in den vergangenen Monaten geärgert hat, den Einstieg verpasst zu haben, sollte sich über die deutlich günstigeren Kurse eigentlich freuen.
Natürlich kann der Goldpreis von hier aus noch weiter fallen. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass Gold in einzelnen Phasen durchaus um 50 oder sogar 70 Prozent korrigiert hat. Auch mit einem solchen Szenario muss man grundsätzlich rechnen. Nach einem Rückgang von rund 30 Prozent befinden wir uns jedoch bereits an einem Punkt, an dem langfristig orientierte Anleger durchaus über erste Zukäufe nachdenken können.
Der übergeordnete Abwärtstrend ist zwar noch nicht gebrochen. Wer vorsichtiger agieren möchte, kann zunächst eine Bodenbildung abwarten oder seine Käufe – beispielsweise über einen Sparplan – schrittweise auf mehrere Monate verteilen.
Ich bin jedenfalls sehr gespannt, wie sich der Goldpreis in den kommenden Monaten entwickeln wird. Kehrt die Geschichte rund um die Zentralbankkäufe wieder in den Fokus der Medien zurück und sorgt für eine neue Aufwärtsbewegung? Oder entwickelt sich – wie bereits mehrfach in der Vergangenheit – über mehrere Jahre hinweg wieder ein eher geringes Interesse an Gold?
Für langfristige Anleger wäre genau das sogar der Idealfall. Denn Phasen, in denen kaum jemand über Gold spricht, bieten oft die beste Gelegenheit, sich in aller Ruhe Stück für Stück eine Position aufzubauen.
