Warum ich gerade jetzt 40.000 Euro an Aktien und ETFs verkauft habe

Die letzten Wochen habe ich Aktien und ETFs im Wert von rund 40.000 Euro verkauft. Im ersten Schritt könnte man meinen, dass diese Entscheidung aus Panik heraus entstanden ist – aufgrund der schwierigen geopolitischen Situation, des Angriffs der USA und Israels auf den Iran und der insgesamt brenzligen Lage im Nahen Osten.

Und ja, im Normalfall würde ich in solchen Situationen tatsächlich etwas anders reagieren. Wenn die Märkte nervös werden, erhöhe ich normalerweise meine Liquidität, um bei möglichen Rücksetzern gezielt nachzukaufen und günstige Einstiegskurse zu nutzen.

Der Verkauf dieser Positionen hatte nicht primär mit der aktuellen geopolitischen Situation rund um den Iran zu tun. Stattdessen habe ich für mich persönlich ein Chancen-Risiko-Verhältnis analysiert, das mich zu dieser Entscheidung geführt hat.

Wichtig ist mir dabei gleich zu Beginn ein Punkt: Ich habe nicht mein Depot aufgelöst. Der Großteil meines Vermögens bleibt weiterhin investiert. Es handelt sich lediglich um einen Teilverkauf, der für mich persönlich dennoch eine relevante Summe darstellt.

Warum ich diesen Schritt gemacht habe, wie ich die Auswahl meiner Verkäufe getroffen habe und welche Strategie ich jetzt verfolge, erkläre ich in diesem Artikel.


Wie ich entschieden habe, welche Aktien ich verkaufe

Bevor ich erkläre, warum ich diese Verkäufe durchgeführt habe und wofür das Geld geplant ist, möchte ich zuerst zeigen, wie ich überhaupt entschieden habe, welche Positionen aus meinem Depot verkauft werden. Für diesen Verkauf habe ich mir lediglich ein grobes finanzielles Ziel gesetzt. Die detaillierte Auswahl, welche Titel ich tatsächlich verkauft habe, habe ich jedoch gezielt analysiert und bewusst getroffen.

Wenn man das Ziel hat, einen größeren Teil seines Portfolios zu verkaufen – vor allem, wenn es aus mehreren Positionen besteht – braucht man gewisse Kriterien für die Auswahl. Für mich waren dabei zwei besonders wichtige Punkte: Steuern und Bewertung.

Langfristige „Steuerschuld” bei Wertpapieren

In Österreich gilt auf Kapitalerträge eine Kapitalertragssteuer von 27,5 %, unabhängig davon, wie lange eine Aktie oder ein ETF gehalten wurde. Das bedeutet: Auch wenn eine Position zehn Jahre gehalten wurde, fällt beim Verkauf immer diese Steuer auf den Gewinn an.

In meinem Depot befinden sich einige Aktien, die über die Jahre ein Vielfaches meines ursprünglichen Investments wert geworden sind. Das klingt natürlich zunächst positiv. Gleichzeitig bedeutet es aber auch, dass auf diesen Positionen eine sehr hohe zukünftige Steuerlast liegt.

Diese Steuerlast wächst mit steigenden Kursen immer weiter an und sorgt dafür, dass die tatsächliche Netto-Größe des Depots oft größer erscheint, als sie nach Steuern tatsächlich wäre.

Deshalb war mir der Gedanke schon länger sympathisch, immer wieder einmal Teilgewinne zu realisieren, um diese Steuerlast zumindest teilweise aufzulösen. Natürlich wäre es in Summe am sinnvollsten, die unversteuerten Gewinne über viele Jahre laufen zu lassen und die Steuern erst „am Ende“ zu bezahlen. Allerdings finde ich es ab einem gewissen Depotwert dennoch sinnvoll, zumindest teilweise einen Schlussstrich zu ziehen und Gewinne zu realisieren.

Das bedeutet: Im ersten Schritt habe ich bei den meisten Positionen einen Teil verkauft und mein Depot damit breit reduziert, um das Thema Steuern zumindest für einen Teil meines Portfolios abzuhaken.

Bewertungen der Einzelaktien als Verkaufskriterium

Das zweite Kriterium für eine stärkere Reduktion einzelner Aktien war – nicht nur bei diesem Verkauf, sondern auch bei den Verkäufen der letzten Wochen und Monate – die Bewertung.

Die Bewertung durch das Kurs-Gewinn-Verhältnis einer Aktie. Grafik von tradingview

Dabei achte ich sehr klassisch auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis. Wenn eine Aktie auf Basis dieses Verhältnisses auf einem sehr hohen Niveau notiert und ich gleichzeitig eine größere Position halte, ist eine Korrektur aus meiner Sicht zumindest wahrscheinlicher. In solchen Fällen reduziere ich diese Positionen daher stärker als andere.

In Summe kann man sagen: Ich musste keine Position verkaufen, weil sie stark gefallen wäre. Im Gegenteil – viele Verkäufe erfolgten in der Nähe ihrer All-Time-Highs.

Damit konnte ich für diesen Teil meines Portfolios die Renditen der letzten Jahre tatsächlich realisieren.


Warum ich aktuell ein schwieriges Chancen-Risiko-Verhältnis an der Börse sehe

Der wichtigste Grund für diesen Schritt liegt jedoch nicht in Steuern oder einzelnen überteuerten Positionen, sondern im allgemeinen Chancen-Risiko-Verhältnis an den Aktienmärkten.

Viele große Indizes befinden sich aktuell in der Nähe ihrer All-Time-Highs. Gleichzeitig haben wir in den letzten Monaten eine Phase gesehen, in der sich viele Märkte seitwärts bewegen.

Auf den ersten Blick wirkt der Markt erstaunlich stabil. Schaut man jedoch etwas genauer hin, zeigt sich, dass unter der Oberfläche bereits einiges in Bewegung ist.

Zum Thema Seitwärtsphase an der Börse habe ich vor Kurzem einen Artikel veröffentlicht.

Einige Einzelaktien sind deutlich gefallen, Bewertungen vieler Unternehmen sind historisch hoch und gleichzeitig nehmen die globalen Risiken zu:

  • geopolitische Spannungen (Russland / Ukraine, der Krieg im Nahen Osten / …)
  • zunehmend hohe Staatsverschuldung vieler Länder
  • wirtschaftliche Unsicherheiten in verschiedenen Regionen

Ich persönlich gehe daher schon länger davon aus, dass wir eine Phase erleben könnten, die nicht unbedingt einen großen Crash bedeutet, aber möglicherweise deutlich geringere Renditen bringt als die letzten Jahre.

Mit einem breit gefächerten ETF wie dem MSCI World konnte man in den letzten Jahren eine gute Rendite erzielen.

Die Performance der letzten Jahre war einfach sehr stark und lag deutlich über dem historischen Durchschnitt von etwa 7 %, den der Aktienmarkt langfristig erzielt. Daher halte ich es durchaus für möglich, dass wir in eine Phase übergehen, in der wir über zwei bis drei Jahre nur moderates Wachstum sehen – oder insgesamt eine längere Seitwärtsbewegung erleben, mit stärkeren Ausschlägen nach oben und nach unten.

Für mich bedeutet das: Das Rendite-Potenzial erscheint aktuell begrenzter, während die Risiken eher zunehmen.

Genau aus diesem Grund habe ich in den letzten Monaten bereits begonnen, meine Cashquote zu erhöhen, immer wieder Teilverkäufe durchzuführen und weniger aggressiv nachzukaufen.


Warum ich trotzdem nicht komplett aus dem Aktienmarkt aussteige

Trotz dieser Einschätzung habe ich mich bewusst nicht dazu entschieden, komplett aus dem Markt auszusteigen (was ich ohnehin nie machen würde).

Der Grund dafür ist relativ einfach: Niemand hat eine Glaskugel. Es ist absolut möglich, dass geopolitische Spannungen – etwa rund um den Iran – sehr schnell wieder abnehmen oder ein neues Thema die Börsen erneut zu neuen Höchstständen treibt.

Eine Grafik von Morgan Stanley zeigt außerdem, dass es historisch kaum Kriege gab, die langfristig oder auch nur kurzfristig dafür gesorgt haben, dass die Börsen in einen größeren Crash geraten sind. In vielen Fällen ist es sogar so, dass die Märkte ein Jahr später deutlich höher stehen als vor dem jeweiligen Ereignis.

Vielleicht erleben wir sogar eine Situation, in der die Börsen in wenigen Monaten neue Rekordstände erreichen. Das kann niemand mit Sicherheit vorhersagen.

Deshalb bleibt der Großteil meines Vermögens weiterhin langfristig investiert. Ich habe lediglich einen Teil meiner Gewinne realisiert und mir gleichzeitig mehr Flexibilität verschafft.


Was ich mit dem Geld nach den Aktienverkäufen jetzt mache

Wichtig zur Klarstellung ist noch: Das Geld, das ich jetzt aus dem Depot herausgezogen habe, liegt nicht einfach irgendwo auf einem Tagesgeldkonto, sondern wird auf verschiedene Arten weiterhin verzinst angelegt.

Ein Teil des Kapitals wird zur Reduktion einer bestehenden Immobilienfinanzierung verwendet. Auch das kann man letztlich als eine Form von Rendite betrachten, denn jeder eingesparte Kreditzins wirkt wie eine garantierte Verzinsung.

Ein weiterer Teil wird in Geldmarkt- und Anleihen-ETFs geparkt. Diese Anlageformen bieten aktuell je nach Produkt häufig Renditen im Bereich von ungefähr:

Damit bleibt das Kapital weiterhin produktiv eingesetzt, während gleichzeitig das Risiko im Vergleich zu Aktien deutlich geringer ist. Außerdem entsteht dadurch eine zusätzliche Liquiditätsreserve.

Wichtig ist in solchen unsicheren Phasen auch, einmal eine vermeintlich niedrigere Rendite zu akzeptieren. Denn niemand weiß, welche Rendite der Aktienmarkt in den nächsten ein bis zwei Jahren tatsächlich abwerfen wird.


Meine Strategie für die nächsten Monate am Aktienmarkt

Mit diesem Schritt fühle ich mich mittlerweile persönlich sehr wohl, auch wenn mich diese Entscheidung einige Wochen gekostet hat. Denn normalerweise vermeide ich größere Teilverkäufe am Aktienmarkt und reinvestiere in der Regel kontinuierlich.

Nichtsdestotrotz ergibt sich aus meiner persönlichen Sicht daraus eine komfortable Situation – egal, wie sich der Aktienmarkt in den nächsten Monaten entwickelt:

  • Wenn die Märkte seitwärts laufen, habe ich nichts Wesentliches verpasst und fahre am Ende wahrscheinlich sogar eine höhere Rendite ein
  • Wenn die Märkte stärker fallen, habe ich Liquidität, um wieder einzusteigen. Das wäre der Idealfall.
  • Und wenn die Märkte weiter steigen, dann habe ich zwar mit dem verkauften Teil mögliche Gewinne verpasst – profitiere aber weiterhin mit dem Großteil meines Depots von steigenden Kursen. Ich glaube aber auch, dass das Upside-Potenzial derzeit begrenzt ist.

Für mich passt dieses Verhältnis aktuell sehr gut zu meiner persönlichen Einschätzung der Märkte.

Weiters halte ich eine Sache beim Investieren generell für sehr wichtig: Man sollte sich nie zu sehr in ein bestimmtes Anlagevehikel verlieben.

Ich bin ein absoluter Fan von Aktien und ETFs, und sie sind für mich auch nach wie vor das sympathischste Anlagemittel. Allerdings muss man offen genug sein, je nach aktueller Lage und persönlicher Einschätzung auch Anlageformen zu wählen, die vielleicht nicht unbedingt den eigenen Vorlieben entsprechen.

Flexibilität ist ein wichtiger Bestandteil erfolgreicher langfristiger Geldanlage.


Fazit nach dem Aktienverkauf

Dieser Teilverkauf von rund 40.000 Euro war für mich eine logische Entscheidung auf Basis meines persönlichen Chancen-Risiko-Verhältnisses.

Ich reduziere damit einen Teil meines Risikos, bleibe aber weiterhin größtenteils investiert und behalte gleichzeitig Liquidität, um bei neuen Chancen wieder aktiv zu werden.

Wichtig ist dabei: Das Ganze ist keine Anlageempfehlung, sondern lediglich ein Einblick, wie ich aktuell mit meinem eigenen Geld umgehe.

Denn am Ende muss jeder Anleger seine eigenen Entscheidungen treffen – basierend auf seiner persönlichen Situation, seiner Risikobereitschaft und seinem Anlagehorizont.

Von Daniel

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