Neue Steuer auf dein Konto-Guthaben?

Neulich bin ich über ein Video von Aktien mit Kopf gestolpert. Ein Thema, das mich sofort getriggert hat:

„Neue Steuer auf KONTO-Guthaben!“

Mein erster Gedanke war: Das kann doch nicht wahr sein. Also habe ich mich hingesetzt, die Sache selbst recherchiert und mir das Originalmaterial angesehen – und das Ergebnis ist so spannend wie erschreckend.


Das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen bringt eine Steuer auf Kontoguthaben ins Spiel

Auslöser war das Video von „Aktien mit Kopf“. Darin wurde behauptet, das NIM (Nürnberg Institut für Marktentscheidungen), ein anerkanntes Institut, habe eine Steuer auf Kontoguthaben ins Spiel gebracht.

Mir ist als Erstes durch den Kopf gegangen, dass das der Gipfel der Steueridiotie wäre. Man zahlt Steuern auf Einkommen, geht mit seinem bereits versteuerten Einkommen einkaufen, wo man wieder Steuern zahlt, und wenn man investiert, zahlt man Steuern. Und jetzt soll man auch noch Steuern zahlen, wenn das Geld einfach auf der Bank liegt?

Und solche Aussagen stammen von einem Institut, das seit Jahrzehnten Daten über Konsumverhalten, psychologische Effekte und Marktentscheidungen erhebt. Aber vorerst einmal als Info: Das NIM schreibt keine Gesetze. Wenn jedoch ein anerkanntes und seriöses Institut eine These formuliert, greifen Medien, Politik und Wirtschaft solche Ideen gerne auf, um Diskussionen zu beeinflussen.

Genau deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Die NIM-Studie „Sparen in Krisenzeiten“: Was wirklich dahinter steckt

Die Studie beginnt relativ harmlos: Die Deutschen sparen viel, die Stimmung ist schlecht, der Konsum bricht ein. Soweit nichts Neues.

Videolink zur Studie „Sparen in Krisenzeiten“: NIM Media Talk zur Studie „Sparen in Krisenzeiten“

Aber die Zahlen sind durchaus spannend:

  • Konsum macht über 55 % unseres BIP aus – fällt der Konsum, fällt das Wachstum.
  • 75 % der Deutschen sagen: „Jetzt ist ein guter Zeitpunkt zum Sparen.“
  • 47 % ersetzen teure Produkte durch günstigere Alternativen.
Die Zusammenfassung zeigt deutlich, dass viele Menschen auf Sparen setzen, um der Inflation entgegenzuwirken und für das Alter vorzusorgen. Quelle

Die zentrale Frage der Studie lautet also: Warum sparen die Menschen so viel – und wie kann man das ändern? Und hier kommen ein paar durchaus wichtige Erkenntnisse:

1. Menschen sparen wegen Inflation – nicht wegen Launen

Der wichtigste Grund, den die Deutschen angeben, ist: „Ich möchte mein Vermögen gegen die Inflation absichern.“

Und mal ehrlich – wer könnte es jemandem übel nehmen? Die Preise steigen. Eigentlich wäre das ein Grund, nicht zu sparen, da das Ersparte, wenn es nicht genügend verzinst wird, an Wert verliert. Aber die Menschen erleiden in Summe einen Wohlstandsverlust und eine größere Zahl auf ihren Sparkonten gibt ihnen einfach ein besseres Gefühl.

2. Altersvorsorge ist der zweitgrößte Treiber.

Ohne eine solide Rente im Hintergrund sparen die Menschen natürlich selbst. Immer weniger Menschen vertrauen auf das Rentensystem und selbst die Politik gibt ja immer öfter zu, dass das aktuelle System nicht mehr tragfähig ist. Modelle wie die Aktivrente helfen zwar Rentnern, besser über die Runden zu kommen, aber mal ehrlich: Eigentlich soll das doch bitte nicht das Ziel sein, dass man auch in der Rente noch arbeiten muss?

3. Sparen ist emotional – nicht rational.

Das NIM sagt: Finanzwissen allein verändert das Verhalten kaum. In unsicheren Zeiten ist Sparen nämlich ein Kontrollmechanismus. Es ist der letzte Bereich, in dem Menschen sagen können: „Hier habe ich Sicherheit.“

Meiner Meinung nach ist „Finanzwissen“ aber sehr breit gefächert. Wie auch in der Studie herauskommt, investieren in den USA deutlich mehr Menschen als in Europa. Das führt dazu, dass Europa immer mehr verarmt.

Bei uns ist „Finanzwissen“ schon so definiert, dass jemand überhaupt spart, wenn er zum Beispiel ein Sparbuch hat.

Ganz ehrlich: Das ist für mich kein Finanzwissen, sondern Hausverstand. Finanzwissen startet vielleicht beim Sparbuch, aber wer wirklich langfristig Vermögen aufbauen und die Inflation schlagen will, kommt um das Thema Investieren am Aktienmarkt nicht herum.

Hier ist ein interessanter Artikel, der erklärt, warum Europa Stück für Stück verarmt. Selbst die EZB warnt bereits davor und zieht einen Vergleich mit den USA.


Die Idee einer Steuer auf Cashvermögen

Und jetzt wird es spannend – denn hier kommt die Aussage aus dem NIM-Vortrag, die das Video von Aktien mit Kopf aufgegriffen hat. Sinngemäß sagt die Direktorin:

  • In Holland besteuert man Cashvermögen ab einem gewissen Umfang.
  • „Sehr gering, eine minimale Steuer.“
  • „Es geht gar nicht um die Einnahmen.“
  • „Es geht darum zu vermitteln: Bargeld zu sparen ist nicht sinnvoll. Vielleicht überlegst du dir was anderes.“
  • „Eine sehr günstige Maßnahme aus Sicht der Politik.“

Das heißt übersetzt:

„Wir bestrafen Sparen auf dem Konto, damit du lernst, anders mit deinem Geld umzugehen oder es für Konsum zu verwenden.“

Nicht mehr, nicht weniger. Das ist kein Missverständnis. Es war ganz klar als Option formuliert, um Verhalten der Bevölkerung umzulenken.

Ich sage es gleich vorweg: Eine solche Steuer wäre eine der kontraproduktivsten Maßnahmen überhaupt. Dafür habe ich drei Gründe:


1. Der psychologische „Backfire-Effekt“

Die NIM-Studie sagt selbst: Menschen sparen aus Unsicherheit, Angst und Kontrollverlust.

Was passiert also, wenn man ihnen jetzt auch noch das Ersparte besteuert? Ganz einfach: Die Unsicherheit steigt weiter.

Und was macht ein Mensch, der sich bedroht fühlt? Er spart noch mehr.

Das ist ein gut belegter psychologischer Mechanismus: Reaktanz. Wenn dir jemand sagt: „Du darfst nicht sparen“, willst du es erst recht.

Die Aufregung über eine solche Cash-Steuer wäre riesig und würde, selbst wenn sie nur relativ klein wäre, dazu führen, dass die Menschen Maßnahmen ergreifen, um ihr Erspartes zu „retten”.

Es wird jetzt nicht direkt einen Bankrun geben, aber der eine oder andere würde sein Bargeld auf jeden Fall abheben und lieber zu Hause unter der Matratze lagern, als es auf dem Bankkonto zu lassen. Einige würden auch beginnen, ihr Bargeld in „sichere” Werte, wie zum Beispiel Gold, anzulegen. Auch alternative Konzepte, weg von staatlicher Kontrolle, wie zum Beispiel Kryptowährungen, wären wieder deutlich interessanter.

Alles, was der Wirtschaft wirklich schadet, würde verstärkt.

2. Das holländische Beispiel ist das Gegenteil eines Erfolgsmodells

Die NIM-Direktorin nennt Holland als positives Beispiel. Das ist erstaunlich – denn dort gibt es das berüchtigte „Box-3“-System.

Kurz erklärt:

  • Der Staat unterstellt dir eine fiktive Rendite (z. B. 1,44% für 2025).
  • Wenn du 0 % verdienst, zahlst du auf diese fiktiven Gewinne Steuern.

Dieses System wurde inzwischen mehrfach von Gerichten für ungültig erklärt, da es gegen Eigentumsrechte verstößt. Wenn so eine Vermögenssteuer, oder Enteignungssystem, als Vorbild dienen soll, dann gute Nacht.

3. Diese Vermögenssteuer zerstört private Resilienz

Das ist der Punkt, den ich persönlich für am gefährlichsten halte. Denn ein gewisser Notgroschen ist eines der wichtigsten Grundgesetze, um schwierige Phasen zu überwinden. Egal, ob das Dach undicht wird, das Auto kaputtgeht oder man kurzfristig arbeitslos wird.

Stell dir vor, du hast deinen Notgroschen auf einem Sparkonto, relativ rasch zugriffsbereit, und siehst diesen Jahr für Jahr weniger wert werden. Du bist gezwungen, ständig nachzuschießen, damit der Betrag, den du dir als Sicherheitswert im Kopf gesetzt hast, bestehen bleibt. Das ist ein weiterer Paniktrigger, der definitiv nicht dazu führen wird, dass noch mehr konsumiert wird.


Fazit: Sparen ist nicht das Problem – sondern die fehlenden Rahmenbedingungen

Wenn das Sparverhalten der Bürger in einem Land als Gefahr gesehen wird, dann stimmt etwas nicht. Wenn Sparguthaben besteuert werden sollen, um den Konsum anzukurbeln, dann ist das der letzte Strohhalm, an den man sich klammern kann.

Die Bürger und ihr Sparverhalten sind nicht das Problem. Falsch ist, wie teilweise gespart wird. 9,3 Billionen Euro Sparvermögen in Deutschland sind ein verdammt großer Wert und davon liegen 37% auf niedrig verzinsten Sparkonten. Die Bevölkerung muss motiviert werden, ihr Geld zu investieren. Dies sollte jedoch nicht erzwungenermaßen in Konsum erfolgen, sondern in Veranlagungen, die wirklich Geld einbringen und Wohnstand sowie Vermögen erzeugen.

Das NIM ist jetzt ein Institut, das etwas ausgearbeitet hat und diese Vermögenssteuer auf Kontoguthaben als mögliche Lösung vorschlägt. Hoffen wir, dass die Politik das nicht aufgreift.

Denn Konsum entsteht nicht durch Zwang.
Konsum entsteht durch Vertrauen.

Und genau das ist die Währung, an der es fehlt! Ein System, in dem man das Gefühl hat, dass es jeden Moment kollabieren kann, wird nicht dazu führen, dass mehr konsumiert wird.

Von Daniel

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