ETF Krisenschutz: Warum ETFs dich nicht retten – aber vor Fehlern schützen

Genau jetzt entscheidet sich, ob man an der Börse viel Geld verliert oder ob das Portfolio standhält. Während einzelne Aktien bereits um 20 % oder 30 % gefallen sind, haben große Welt-ETFs erst 9 % verloren. Mein Gesamtportfolio hat derzeit gerade einmal 2 % vom Höchststand eingebüßt.

Betrachtet man die Märkte, so stellt man fest, dass die Ölpreise wieder anziehen, die Inflation steigt und geopolitische Spannungen dafür sorgen, dass die Märkte jederzeit in beide Richtungen ausschlagen können. Genau in solchen Phasen stellen sich viele Anleger die gleiche Frage: Soll ich jetzt investieren – oder lieber abwarten?

Und wenn man investieren möchte: Sind ETFs in einer solchen Situation eine bessere Idee als Einzelaktien?

Ich möchte dir in diesem Artikel nicht einfach nur die Theorie erklären, sondern dir ganz konkret zeigen, wie ich aktuell selbst mit ETFs umgehe und warum sie mir dabei helfen, mein Portfolio deutlich ruhiger durch solche Phasen zu bringen und Verlust enorm reduziert haben. Doch bevor wir darauf eingehen, müssen wir eine Sache ganz klarstellen.


Das aktuelle Problem: Niemand kann die Dauer des Konflikts abschätzen

In der Theorie klingt das alles sehr einfach: Der Ölpreis steigt, das heißt man investiert in Energietitel. Technologiewerte sind bereits stark gefallen, also kauft man dort nach. Andere Branchen wie zum Beispiel Nahrungsmittel könnten steigen, weil weniger Dünger verfügbar ist – auch hier ergeben sich vermeintliche Chancen. Es gibt also viele Bereiche, in die man aktuell investieren könnte.

Das Problem ist: In der Praxis ist das Ganze deutlich komplexer. Denn in solchen Phasen reagieren die Märkte täglich auf neue Nachrichten – sowohl positiv als auch negativ. Politische Aussagen, zum Beispiel von Donald Trump, können innerhalb von Stunden alles drehen. Kurzfristige starke Anstiege, aber auch ebenso schnelle Korrekturen nach unten, sind an der Tagesordnung.

Ob und wann sich die Situation wirklich entspannt und die Märkte nachhaltig steigen, erkennt man meistens erst im Nachhinein. An einem Tag haben wir Eskalation, am nächsten wieder Entspannung. Das bedeutet: An einem Tag steigen Rohstoffpreise und Gold fällt, am nächsten Tag ist es genau umgekehrt.

Genau das macht es aktuell so schwierig, gezielt auf einzelne Gewinner zu setzen. Am Ende bleibt oft nur die Möglichkeit, langfristig an eine bestimmte Entwicklung zu glauben – zum Beispiel daran, dass die Ölpreise weiter steigen. Aber sicher ist das derzeit nicht.

Der bekannte Spruch „Kaufen, wenn die Kanonen donnern“ klingt gut. In der Realität ist aber die entscheidende Frage: Donnern sie in einer Woche immer noch – oder hat sich die Lage bis dahin komplett gedreht?

Und genau deshalb ist Stock Picking, also die gezielte Auswahl einzelner Aktien, in solchen unklaren Phasen besonders schwierig. Letztendlich musst du für dich selbst entscheiden: Wie lange wird diese Situation anhalten – und wie nachhaltig wird sie einzelne Branchen wirklich beeinflussen?


ETFs sind kein Schutzschild

Viele glauben, dass ETFs eine sichere Anlage sind. Diejenigen, die bereits investiert sind, haben es vielleicht schon bemerkt, aber das stimmt so nicht. Ein Welt-ETF bildet am Ende einfach nur den Markt ab – wenn der Markt fällt, dann fällt auch dein ETF.

Von den historischen Höchstständen betrug der maximale „Verlust” gerade einmal 9 %. Quelle

Das hat man in der Vergangenheit mehrfach gesehen: Im Corona-Crash 2020 sind breite Indizes innerhalb kürzester Zeit massiv eingebrochen. Und auch jetzt, seit Beginn des Kriegs im Nahen Osten, ist der marktbreite MSCI World Index mit 1.500 Unternehmen teilweise um 9 % unter seinen Höchstständen. Im Vergleich zu den Verlusten einzelner Aktien ist das aber immer noch relativ gering.

Das heißt ganz klar:

  • ETFs verhindern keine Verluste
  • ETFs schützen dich nicht vor einer Krise
  • ETFs sind kein „Rettungsanker“ im klassischen Sinn

Und genau deshalb ist es so wichtig, den Begriff „Krisenschutz“ richtig zu verstehen. Denn der Vorteil von ETFs liegt an einer ganz anderen Stelle.


Der echte ETF Krisenschutz: Dein Depot reagiert deutlich ruhiger

Der größte Vorteil von ETFs ist nicht, dass sie Verluste vermeiden. Der Vorteil ist, dass sie extreme Ausschläge im Portfolio deutlich reduzieren.

Warum? Weil du nicht auf eine einzelne Aktie oder Branche setzt, sondern im Fall eines Welt-ETFs auf den gesamten Markt. Das bedeutet, dass du Gewinner- und Verliereraktien gleichzeitig in deinem Depot hast. Du bist jedoch nicht von einzelnen Fehlentscheidungen abhängig und dein Portfolio schwankt dadurch weniger stark als bei Einzelaktien.

Wenn du in Krisenzeiten in Einzelaktien investierst, kann es sehr schnell passieren, dass einzelne Positionen innerhalb weniger Tage um 20 %, 30 % oder sogar mehr fallen. Ein breit gestreuter ETF wird ebenfalls fallen, aber in der Regel deutlich kontrollierter.

Und genau hier liegt der eigentliche „Krisenschutz“: nicht im Vermeiden von Verlusten, sondern im Vermeiden von extremen Ausschlägen und Fehlern. Doch genau diese Fehler entstehen besonders häufig in unsicheren Marktphasen.


Meine Strategie: Mehr ETFs, weniger Einzelwetten

Genau aus diesem Grund habe ich meine eigene Strategie angepasst. Ich habe in den letzten Wochen bewusst mein Portfolio umgestellt. Unter anderem habe ich Positionen reduziert – auch im größeren Umfang – und mein Depot stärker auf ETFs ausgerichtet. Das hatte teilweise auch private Gründe, aber unabhängig davon nutze ich solche Phasen gezielt, um mein Risiko neu zu strukturieren.

Und genau das bedeutet für mich: Ich lege aktuell einen deutlich geringeren Fokus auf Einzelaktien. Das heißt konkret, ich habe einzelne Positionen reduziert und verstärkt in ETFs umgeschichtet. Dadurch habe ich insgesamt bewusst eine geringere Abhängigkeit von einzelnen Branchen.

Meine ETF-Sparpläne lasse ich ganz normal weiterlaufen und stocke meine ETFs entsprechend auf.

Ich versuche nicht mehr, den perfekten Gewinner zu finden. Stattdessen geht es mir darum, mein Portfolio so aufzustellen, dass ich nicht von einer einzelnen Fehlentscheidung abhängig bin.

ETF auch für kurzfristige „Trades“

Aber ich bin nicht nur passiv unterwegs und habe mein Portfolio jetzt auf „Feigling-Modus“ umgebaut. Nein – ich nutze ETFs auch, um kurzfristig zu „traden“. Als sich dieser Konflikt anbahnte, habe ich bewusst in einen Energie-ETF investiert.

Das Investment in ETFs hat in so einem Fall natürlich sowohl Vorteile als auch Nachteile. Der Vorteil ist: Ich muss mich nicht im Detail damit beschäftigen, welche Unternehmen real gesehen wirklich kurzfristig vom steigenden Ölpreis profitieren. Der Nachteil liegt aber auch auf der Hand: Ich werde mit diesem Trade, der aktuell bereits gut im Plus ist, nicht die maximale Performance erreichen. Das ist am Ende aber auch nicht mein Ziel.

Das Ziel ist nicht maximale Rendite – sondern ein stabileres Gesamtbild und die Verluste auszugleichen.

Wichtig ist in solchen unsicheren Zeiten: Wenn man aktiv handelt, geht es gar nicht darum, immer die besten Entscheidungen zu treffen. Es geht vor allem darum, die falschen Entscheidungen zu vermeiden – denn genau diese kosten am Ende richtig Geld.

Ich konnte allein mit diesem Trade mein Portfolio deutlich stabilisieren. Zum Zeitpunkt, an dem ich diesen Artikel schreibe, ist der Gesamtmarkt rund 6 % von seinen Höchstständen entfernt. Ich habe mit diesem einzelnen Trade – obwohl ich nicht die maximale Rendite herausgeholt habe – aktuell nur einen Gesamtverlust von etwa 2 % vom Höchststand meines Portfolios.


Warum es keinen perfekten Einstiegszeitpunkt gibt

Wenn man ganz ehrlich ist, dann ist es in solchen Situationen extrem schwer abzuschätzen, wie lange so eine Krise dauert und wann der perfekte Einstiegszeitpunkt gekommen ist – gerade wenn man sich die tägliche, wechselnde Berichterstattung zwischen möglichem Kriegsende und völliger Eskalation ansieht.

Man weiß nicht, welche politischen Entscheidungen noch kommen, wie sie sich auf den Ölpreis auswirken und welche Branchen am Ende wirklich massiv betroffen sind. Man kann zwar Trends erkennen, aber nicht deren tatsächliches Ausmaß.

Und genau deshalb sind ETFs für mich aktuell so interessant. Sie geben dir die Möglichkeit, im Markt investiert zu bleiben, ohne dich auf einzelne, detaillierte Wetten festlegen zu müssen.

Meine Vorgehensweise ist dabei relativ simpel: Ich lasse meine Sparpläne weiterlaufen und versuche nicht, den perfekten Einstiegszeitpunkt zu finden.

Nichtsdestotrotz beobachte ich den Markt aktuell sehr genau und bin jederzeit bereit, wieder stärker einzusteigen. Dafür brauche ich aber klare Signale, dass sich wirklich ein Ende des Konflikts abzeichnen könnte. Mir ist auch bewusst: Wenn dieser Punkt kommt, geht es oft sehr schnell und die Märkte ziehen innerhalb kurzer Zeit stark nach oben an.


Fazit: ETFs retten dich nicht vor der Krise – aber vor dir selbst

Wenn du diesen hektischen Stress und das tägliche Beobachten des Marktes vermeiden willst, dann sind ETFs ein extrem hilfreiches Instrument. Dadurch kannst du dein Investment insgesamt deutlich stressfreier gestalten. Sie schützen dich vor den typischen Fehlern, die Anleger in solchen Phasen machen – nämlich hektisches Handeln, falsches Timing, emotionale Entscheidungen oder die Wette auf vermeintliche Gewinner. Genau das sind die Fehler, die langfristig den größten Schaden anrichten.

In einer Krise geht es nicht darum, perfekt zu investieren. Es geht darum, dein Portfolio stabil durch eine Phase zu bringen, in der vieles unklar ist. Sie machen dein Depot nicht immun gegen Verluste – aber sie machen es deutlich robuster gegenüber Unsicherheit. Und das ist in solchen Zeiten oft mehr wert als die Aussicht auf die maximale Rendite.

Von Daniel

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