Das Risiko kostenloser Konten – was dir niemand ehrlich sagt

Ein kostenloses Konto klingt fair. Keine Kontoführungsgebühr, moderne App, schnelle Überweisungen, alles digital. Nach außen wirkt das einfach und logisch: keine Filialen, kein Schalter, kein Berater – also warum sollte das Konto etwas kosten?

Genau hier beginnt die mentale Falle.

Dieser Artikel ist kein Vergleich mit Affiliate-Links, der dich zur nächsten „besseren“ Bank locken soll. Ich will dir nichts verkaufen. Ich will dir zeigen, warum du auch bei kostenlosen Konten langfristig definitiv bezahlst – nur eben anders, später oder weniger offensichtlich.

Kostenlos ist heute kein Geschenk mehr. Kostenlos ist ein Geschäftsmodell. Und wie bei jedem Geschäftsmodell stellt sich nicht die Frage, ob Geld verdient wird, sondern wie, wann und über welchen Weg. Wer das versteht, trifft bessere Entscheidungen. Wer es nicht versteht, zahlt am Ende oft mehr, als er glaubt.


Kostenlos wirkt simpel – ist es aber nicht

Online = wenig Kosten = kostenlos fair.
Diese Gleichung hat sich in den Köpfen vieler festgesetzt. Sie ist verständlich, aber falsch.

Du siehst nur die Oberfläche: eine App, ein Login, ein paar Klicks. Was du nicht siehst, ist die komplette Infrastruktur im Hintergrund. Und die ist alles andere als gratis. Der Denkfehler ist derselbe wie bei sozialen Netzwerken oder anderen Online-Diensten. Facebook, Instagram oder viele Apps sind für dich kostenlos, trotzdem gehören sie zu den wertvollsten Unternehmen der Welt und schieben Milliardengewinne. Nicht, weil sie so großzügig sind, sondern weil sie erst wachsen und später monetarisieren oder auf andere Weise Geld verdienen, was wir später im Artikel noch näher beleuchten werden.

Kostenlos heißt heute fast nie „kostenlos“. Es heißt: Du bezahlst entweder nicht sofort oder auf eine andere Weise.


Was ein Konto eine Bank wirklich kostet – auch online

Auch eine reine Onlinebank hat laufende Kosten. Weniger als eine Filialbank, ja. Aber niemals null.

Dazu gehören unter anderem:

  • IT-Systeme, Server, Rechenzentren
  • Sicherheitsinfrastruktur gegen Betrug und Cyberangriffe
  • Zahlungsabwicklung über Karten- und Überweisungsnetzwerke
  • Kundensupport, auch wenn er nur per Chat läuft
  • Identitätsprüfung, Betrugsprävention und laufende Überwachung
  • gesetzliche Melde- und Dokumentationspflichten

Gerade der regulatorische Aufwand ist in den letzten Jahren massiv gestiegen und wird weiter zunehmen. Jede Transaktion muss überprüfbar sein, jeder Kunde laufend überwacht werden. Institutionen wie die EU Behörde AMLA oder die nationale Geldwäschebehörde FIU sorgen dafür, dass diese Anforderungen eher strenger als lockerer werden.

Mehr zum Thema „Melden von Banktransaktionen” erfährst du im Artikel über die Geldwäschefälle.

Ein wichtiger Punkt, der oft vergessen wird: Die gesamte Fintech- und Onlinebank-Szene wurde in den letzten Jahren massiv durch Investorenkapital getragen. Wachstum war wichtiger als Gewinn. Verluste wurden bewusst akzeptiert, solange Nutzerzahlen, Transaktionen und Marktanteile gestiegen sind. Das erklärt, warum vieles so lange „kostenlos“ bleiben konnte.


Warum kostenlose Konten überhaupt angeboten werden

Kostenlose Konten sind kein Zufall und kein Wohltätigkeitsprojekt. Sie sind ein Einstiegstor.

Das Prinzip kennt man aus der Tech-Welt: Es gibt unzählige Startups, die über zehn Jahre keinen Gewinn machen, teilweise nicht einmal anstreben, kurzfristig profitabel zu sein. Solange sie wachsen, bekommen sie weiter Geld von Investoren. Nutzerzahlen schlagen Gewinnzahlen.

Dieses Denken ist auch bei vielen Onlinebanken vorhanden – besonders bei jenen, die:

  • noch stark wachsen
  • von Investoren finanziert werden
  • oder einen großen Konzern im Hintergrund haben

Hier wird bewusst in Kauf genommen, über Jahre Verluste zu schreiben, um möglichst viele Kunden zu erreichen und an sich zu binden. Das kostenlose Konto ist dabei nicht das Ziel, sondern das Mittel.

Oder klar gesagt:

Das Konto ist nicht das Produkt. Die Beziehung zum Kunden ist es.

Doch wie wird am Ende trotzdem Geld verdient?


Wie kostenlose Konten wirklich monetarisiert werden

Die Monetarisierung ist selten offensichtlich. Genau darin liegt das Risiko.

Cross-Selling als zentrales Element

Kostenlose Konten sind ideale Ausgangspunkte für den Verkauf weiterer Produkte:

  • Wertpapierhandel mit Aktien und ETFs
  • Sparpläne
  • Kredite
  • Versicherungen

Hier liegt oft die eigentliche Marge. Das Konto selbst ist lediglich die Eintrittskarte. Es werden dann oft sehr einfach und bequem bedienungsfreundliche Zusatzleistungen angeboten. Es gibt keine nervigen Termine mit einem Bankberater, bei denen einem 100 weitere Produkte angedreht werden, sondern es wird auf subtile Art und Weise immer wieder ein Produkt mehr verkauft.

Zusatzkosten für zusätzliche Leistungen

Ein wichtiger Unterschied zu klassischen Banken: Bei vielen Filial- oder Altbanken zahlst du eine Pauschale, in der fast alle Leistungen inkludiert sind. Bei Onlinebanken ist das Basismodell günstig oder kostenlos, dafür werden einzelne Leistungen separat bepreist. Typische Zusatzkosten:

  • zusätzliche Karten
  • Fremdwährungsfunktionen (oft 2%)
  • Bargeldabhebungen oder Einzahlungen (teilweise 1-2%)
  • Kartenersatz
  • priorisierter Support

Das ist kein Betrug, sondern ein anderes Preismodell. Aber man muss es verstehen, um es fair bewerten zu können.

Premium-Modelle

Das kostenlose Basismodell ist bewusst eingeschränkt. Komfort, Flexibilität und Zusatzfunktionen sind kostenpflichtig. Der Preis wirkt zwar niedrig, aber es gibt immer wieder Funktionen, die man unbedingt benötigt und die dann den einen oder anderen dazu bewegen, in ein Premiummodell umzusteigen. Oder es besteht alle paar Monate die Notwendigkeit, Zusatzleistungen zu beziehen.

Der Zahlungsverkehr selbst hat einen Wert

Jede Zahlung erzeugt Daten, Volumen und Infrastrukturumsatz. Zahlungsströme sind wirtschaftlich relevant, auch wenn der einzelne Kunde dafür nichts zahlt. Allein die Tatsache, dass über ein Konto regelmäßig Geld fließt, macht es für Banken wertvoll – intern wie extern.


Warum Gebühren fast immer später kommen

Viele denken: „Meine Bank ist kostenlos, also bleibt sie es auch.“ Das ist selten realistisch, denn sobald:

  • das Wachstum nachlässt
  • Investoren Rendite sehen wollen
  • regulatorische Kosten steigen
  • oder Märkte gesättigt sind

muss monetarisiert werden. Dann kommen neue Gebühren, Limits oder Anpassungen – meist schrittweise und gut verpackt.

Das kennt man aus anderen Online-Geschäftsmodellen genauso: Erst kostenlos, dann Werbung, dann Abos, dann Preiserhöhungen. Banken funktionieren hier nicht anders.

Klassische Filialbanken haben ein anderes Geschäftsmodell, verlangen die Gebühren von Anfang an und arbeiten meist mit klaren Pauschalen. Die Preise werden zwar auch hier ständig nach oben angepasst, es gibt aber weniger Zusatzkosten beim klassischen Bankengeschäft.

Man kann es so zusammenfassen:
Bei der Filialbank zahlst du sofort und weißt es.
Bei der Onlinebank zahlst du später – oder an anderer Stelle.


Fazit: Kostenlos ist oft sinnvoll – aber nur mit klarem Blick

Ich bin nicht grundsätzlich gegen kostenlose Konten. Im Gegenteil: Für viele Menschen sind sie die günstigste und beste Lösung.

Entscheidend ist nicht, ob ein Konto kostenlos ist, sondern ob du:

  • alle Zusatzkosten kennst
  • dein Nutzungsverhalten realistisch einschätzt
  • am Ende ehrlich nachrechnest

Mein klarer Rat: Rechne einmal im Jahr zusammen, was dich dein Konto wirklich kostet – inklusive Metallkarten, Zusatzkarten aus Gold oder Platin, Fremdwährungen, Abhebungen und Zusatzfunktionen. Triff dann eine bewusste Entscheidung.

Und ja: Das klassische Filialgeschäft wird immer unnötiger. Für große Themen wie eine Hausfinanzierung kann ein persönlicher Ansprechpartner sinnvoll sein. Für den Alltag brauchst du ihn in den meisten Fällen nicht mehr.

Kostenlos ist also kein Problem – Unwissen ist es. Bei kostenlosen Konten gibt es einfach gewisse Risiken, die man im Auge behalten muss:

  • Gebührenänderungen im Laufe der Zeit
  • neue Limits bei Bargeld oder Überweisungen
  • zusätzliche Kosten für bisher selbstverständliche Leistungen
  • stärkere Abhängigkeit von Zusatzprodukten

Ein Konto kostet immer Geld. Die einzige Frage ist, ob du weißt, wann, wofür und wie viel.

Von Daniel

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