Crowdinvesting-Plattform Rendity kollabiert – Mein Geld ist weg!

Ich habe in zwölf Projekte investiert, von denen 100 % aufgefallen sind. Damit habe ich fast einen Totalverlust erlitten.

Leider hat es sich abgezeichnet und nun ist es passiert: Die Crowdinvesting-Plattform Rendity, in die ich investiert hatte, stellt den Betrieb ein. Es werden keine neuen Emissionen mehr angeboten und es findet kein operatives Geschäft mehr statt.

Das Krasse daran ist die Abwicklung: Es gibt nur noch die Möglichkeit, bestehendes Geld bis zum Ablauf des Abwicklungszeitraums auszuzahlen. Gebundenes Kapital (in der Regel der Großteil, der in bestehende Projekte investiert ist) kann nach diesem Tag jedoch nicht mehr über die Plattform ausgezahlt werden. Um hier noch an sein Geld zu kommen, muss man, soweit man das richtig versteht, selbst mit den Immobilienfirmen aushandeln.

Deshalb möchte ich in diesem Artikel – wie bereits in einem früheren Beitrag – erneut vor P2P-Plattformen warnen. Das, was ich aktuell selbst erlebe – nämlich dass ich noch investiertes Kapital auf dieser Plattform habe und es nun voraussichtlich verloren ist – kann prinzipiell bei jeder P2P-Plattform passieren. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind meist sehr ähnlich aufgebaut. Genau deshalb ist es mir wichtig, hier aufzuklären und transparent darzustellen, wie solche Konstruktionen funktionieren, damit andere nicht dieselbe Erfahrung machen müssen.


Warum ich damals in P2P Kredite investiert habe

Ich habe Anfang 2021 begonnen, auf mehreren P2P-Plattformen zu investieren. Die Idee dahinter war relativ simpel: Nach dem starken Anstieg der Aktienmärkte nach dem Corona-Crash hatte ich einen Teil meiner Gewinne realisiert und wollte einen ruhigeren Portfolioanteil aufbauen. Einen Bereich, um den ich mich nicht ständig kümmern muss, der nicht täglich schwankt, sondern über ein bis zwei Jahre Laufzeit eine fixe, planbare Rendite erwirtschaftet.

Eine der Plattformen, die ich damals ganz bewusst gewählt habe, war Rendity. Als Österreicher gefiel mir der Gedanke, über eine heimische Plattform in Projekte im eigenen Land zu investieren. Rendity war medial präsent, wirkte professionell und vermittelte Immobilienprojekte am österreichischen Markt. Man konnte gezielt Projekte in Städten auswählen, die man selbst kannte. Bauvorhaben erschienen dadurch greifbarer und nachvollziehbarer.

Meine Überlegung war, dass diese Art von Plattform sicherer sein müsste als andere Angebote, vor allem im Vergleich zu internationalen oder osteuropäischen P2P-Anbietern. Wenn man Gebäude, Standorte oder zumindest die Umgebung kennt, fühlt sich das Risiko geringer an.

Damals jedoch erschien mir das nach Jahren mit starkem Fokus auf US-Aktien als sinnvolle und logische Form der Diversifikation.

Die rechtliche Konstruktion solcher Investments war mir damals durchaus bewusst. Ich wusste, dass es sich um Nachrangdarlehen handelt und dass man im Ernstfall am Ende der Gläubigerkette steht. Genau dieses erhöhte Risiko erklärt ja auch die höhere Verzinsung. Für mich war das damals ein kalkuliertes Risiko – keine Unwissenheit.

In Summe habe ich mehrere tausend Euro auf unterschiedlichen Plattformen investiert und dort jeweils in mehrere Projekte gestreut. Insgesamt dürften es 40 bis 50 verschiedene Immobilienprojekte gewesen sein. Meine Idee war, das Ganze ETF-ähnlich aufzubauen: breit gestreut, viele kleine Positionen, sodass selbst wenn ein oder zwei Projekte ausfallen sollten, das Gesamtportfolio dennoch profitabel bleibt.

Theoretisch klang das schlüssig. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass solche Modelle anders funktionieren als ein echter ETF – vor allem dann, wenn strukturelle Risiken gleichzeitig mehrere Projekte betreffen.


Wie Crowdinvesting-Plattformen rechtlich wirklich funktioniert

Bei solchen Plattformen investierst du nicht in eine Immobilie, sondern gewährst einem Projektentwickler ein qualifiziertes Nachrangdarlehen. Die Plattform vermittelt lediglich. Sie ist nicht dein Schuldner.

Das bedeutet: Keine Einlagensicherung, keine Garantie, kein Mitspracherecht. Im Insolvenzfall stehst du am Ende der Gläubigerkette. Zuerst kommen Banken, dann andere vorrangige Gläubiger – und ganz am Schluss du.

Wenn die Plattform schließt, ändert das an deinem Vertrag mit dem Projektentwickler nichts. Dein Risiko bleibt bestehen. Die Plattform verschwindet, dein Kapital ist weiterhin vom wirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg des Entwicklers abhängig.

Genau das wird in solchen Abwicklungsschreiben auch nüchtern formuliert: Rückzahlungen erfolgen, sofern Zahlungen der Emittenten eingehen. Mehr nicht.


So läuft eine „geordnete“ Schließung einer P2P-Plattform ab – am Beispiel der Schliessung von Rendity

In meinem Fall wurde der operative Betrieb bereits Monate (April 2024) zuvor eingestellt. Neue Emissionen gibt es nicht mehr, neue Investitionen sind nicht möglich. Schade nur, dass ich dazu nie eine Information erhalten habe. Man hat es nur gemerkt, weil sich auf der Website immer weniger getan hat und angekündigte Funktionen nie realisiert wurden.

Mitte Februar 2026 kam dann die Information, dass die Plattform nur noch bis Ende Mai 2026 technisch erreichbar sein würde. Ein überschaubarer Zeitraum. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass mehrere Emittenten wirtschaftliche Schwierigkeiten haben und teilweise Insolvenzverfahren laufen. Bei mir war die Ausfallquote 100% bei in Summe 12 Projekten!

Und damit war es im Grunde auch schon vorbei mit der „geordneten“ Schließung. Was viele nicht verstehen: Die Plattform ist oft nur die technische Oberfläche. Der eigentliche Vertrag besteht nicht mit der Plattform selbst, sondern mit dem jeweiligen Emittenten, also dem Projektentwickler. Das heißt konkret: Schließt die Plattform, verschwindet lediglich die Vermittlungsinstanz – dein rechtliches Verhältnis bleibt jedoch direkt mit dem Schuldner bestehen.

In der Praxis bedeutet das, dass man sich selbst darum kümmern muss, sein Geld von den Emittenten zurückzubekommen. Eine durchaus spannende Aufgabe – vor allem dann, wenn sich diese bereits in Insolvenzverfahren befinden oder ihren Sitz im Ausland haben. Die theoretische Forderung bleibt bestehen, die realistische Chance, tatsächlich noch nennenswerte Beträge zurückzuerhalten, ist jedoch oft sehr gering.

Der einzige Trost bleibt die steuerliche Behandlung. Verluste können grundsätzlich im Rahmen der Steuererklärung geltend gemacht werden. Eine automatische Verlustbescheinigung – wie man sie etwa von Banken kennt – gab es in meinem Fall nicht. Das bedeutet zusätzlichen Aufwand und entsprechende Nachweispflichten. Immerhin besteht so die Möglichkeit, Verluste mit Aktiengewinnen zu verrechnen und zumindest steuerlich einen Teil zu kompensieren. Es ist kein Ersatz für das verlorene Kapital, aber zumindest ein kleines Pflaster auf der Wunde.

Formal wirkt das sauber und transparent. Wirtschaftlich bedeutet es: Wenn der Projektentwickler nicht zahlt, bekommst du nichts.


Warum solche P2P-Modelle lange stabil wirken

Viele dieser Plattformen haben über Jahre scheinbar problemlos funktioniert. Das liegt nicht daran, dass das Risiko gering war, sondern daran, dass Risiken zeitverzögert wirken. Projekte laufen mehrere Jahre, Refinanzierungen werden erst später relevant, Zinsänderungen schlagen nicht sofort durch.

Die Zinswende kam jedoch schnell und massiv. Geschäftsmodelle, die auf dauerhaft günstigem Fremdkapital aufgebaut waren, wurden plötzlich unter Druck gesetzt. Steigende Baukosten, Inflation und ein schwieriger Immobilienmarkt verstärkten das Problem.

Strukturell betrifft dieses Risiko alle P2P- und Crowdinvesting-Modelle, die auf Nachrangdarlehen basieren. Je höher die Rendite, desto höher das Risiko. Sonst würde es diese Rendite nicht geben. Acht oder neun Prozent Zinsen sind keine „Bonusverzinsung“, sondern eine Risikoprämie.

Das unterschätzte Klumpenrisiko

Viele glauben, sie seien durch mehrere Projekte breit diversifiziert. In Wahrheit stehen hinter zahlreichen Projekten oft nur wenige Entwickler oder eng verflochtene Unternehmensstrukturen. Gerät ein Entwickler in Schieflage, betrifft das gleich mehrere Investments.

Das ist kein ETF mit hunderten unabhängigen Positionen. Es ist ein Netzwerk aus einzelnen Projektgesellschaften, die stark voneinander abhängen können. Ein Zahlungsausfall ist daher selten isoliert.


Meine Erfahrung aus dem Investieren in P2P Krediten

Ich habe nur 2.000 Euro in Rendity-Projekte investiert, 270 Euro Zinsen erhalten und somit rund 86 Prozent verloren. Das war Lehrgeld. Es ist kein existenzbedrohender Betrag und im Vergleich zu meinem Gesamtportfolio verkraftbar, aber es ist genug, um meine Meinung dauerhaft zu ändern.

Ich fasse P2P-Nachrangdarlehen nicht mehr an. Nicht, weil jede Plattform unseriös ist, sondern weil mir das rechtliche Fundament zu schwach ist. Das Chance-Risiko-Verhältnis passt für mich nicht mehr.

Die kleine Rettungsanker: Der Sekundärmarkt

Bei den anderen Plattformen, auf denen ich investiert war, konnte ich einen Großteil meines eingesetzten Kapitals retten. Als die Zinswende einsetzte, wurde relativ schnell sichtbar, dass einzelne Projekte plötzlich Schwierigkeiten hatten, ihre Zahlungen planmäßig zu leisten.

Ich habe in dieser Phase den sogenannten Sekundärmarkt genutzt – also eine interne Handelsfunktion innerhalb der jeweiligen P2P-Plattformen, über die man seine Kreditanteile mit einem Abschlag weiterverkaufen kann. Natürlich erhält man dabei nicht mehr den vollen Nennwert, sondern verkauft zu einem schlechteren Preis. Dennoch hat mir genau diese Möglichkeit geholfen, einen Notverkauf durchzuführen und den potenziellen Verlust deutlich zu begrenzen.

Bei Rendity hingegen wurde ein solcher Sekundärmarkt zwar angekündigt, jedoch nie technisch umgesetzt. Heute ist mir auch klar, warum.

Wenn man sich dennoch für P2P-Kredite entscheidet, würde ich zumindest dazu raten, ausschließlich Plattformen zu wählen, die einen tatsächlich funktionierenden Sekundärmarkt anbieten. Die Möglichkeit, im Zweifel schnell Anteile abzustoßen – selbst mit Abschlag –, kann im Ernstfall entscheidend sein, um Verluste zu begrenzen.

Finfluencer-Werbung und Interessenkonflikte

Ein weiterer Punkt, den man nicht ausklammern darf: P2P-Kreditplattformen wurden und werden stark von Finfluencern beworben. Hohe Renditen, scheinbar stabile Rückzahlungsquoten, beeindruckende Statistiken.

Seit der Zinswende haben viele Plattformen enorme Probleme bekommen. Trotzdem sehen veröffentlichte Portfolios oft erstaunlich gut aus. Ich unterstelle niemandem pauschal Fehlverhalten. Aber ich halte es für naiv zu glauben, dass hier keinerlei Interessenkonflikte bestehen.

Provisionen und Affiliate-Modelle spielen eine Rolle. Anleger sollten sich dessen bewusst sein und nicht blind auf Marketingversprechen vertrauen.

Wie gehe ich weiter vor

Den „ruhigen“ Portfolioanteil löse ich heute über kurzlaufende Anleihen-ETFs, Geldmarkt-ETFs und hochverzinstes Tagesgeld. Diese sind börsentäglich handelbar, durch das Sondervermögen reguliert und transparent. Die Rendite ist im Durchschnitt niedriger, aber dafür habe ich mehr Planungssicherheit.

Ich wollte in reale Immobilien investieren. Investiert habe ich in ein rechtliches Konstrukt mit Totalverlustrisiko.

Wer P2P oder Crowdinvesting nutzt, sollte sich eines ganz bewusst machen: Im Ernstfall ist dein Geld nicht „investiert“, sondern schlicht verloren. Genau das ist der Punkt, der mich im Nachhinein am meisten stört.

Den Forderungen gegenüber den Emittenten werde ich realistisch betrachtet nicht mehr aktiv nachgehen. Bis auf einen befinden sich sämtliche Projektgesellschaften bereits im Insolvenzverfahren. Das Kapital ist faktisch weg. Dem verbleibenden Emittenten werde ich vielleicht noch eine E-Mail schreiben – ohne echte Erwartung auf Erfolg.

Es ist keine schöne Geschichte. Aber es ist Lehrgeld. Und manchmal ist die wichtigste Erkenntnis, dass man nicht jede Form der Veranlagung nutzen muss, nur weil sie existiert.

Bevor du jetzt allerdings reflexartig alle deine P2P-Investments verkaufst und alles in Aktien umschichtest, lohnt sich ein differenzierter Blick. Sieh dir dazu gerne meinen Artikel an, in dem ich erkläre, wie die rechtliche Situation bei Aktien aussieht – insbesondere für den Fall, dass dein Broker insolvent wird. Denn auch dort sollte man verstehen, wie die Eigentumsverhältnisse tatsächlich geregelt sind.

Von Daniel

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