Aktien oder ETFs? Meine knallharte Bilanz nach 18 Jahren an der Börse

Rückblickend ist es bei mir relativ eindeutig, ob sich Aktien oder ETFs mehr ausgezahlt haben und ich den größten Gewinn erzielt habe. Trotzdem habe ich in den letzten Jahren meine Anlagestrategie verändert und angepasst.

Dieser Artikel ist kein Ratgeber und auch kein Vergleich im klassischen Sinn. Ich will dir hier nichts verkaufen, nichts schönrechnen und auch niemanden überzeugen. Ich investiere seit rund 18 Jahren an der Börse, habe in dieser Zeit sowohl ETFs als auch Einzelaktien gehalten, gekauft, verkauft. Und ich möchte dir ganz nüchtern aufzeigen, wie ich investiere und was mir am Ende die höchste Rendite gebracht hat.

Genau deshalb halte ich diesen Rückblick für die meisten für sinnvoller als jede theoretische Abhandlung oder die Auflistung der Argumente für die eine oder andere Variante.

Wenn man lange genug investiert, bleibt irgendwann nicht mehr die Frage, was theoretisch möglich gewesen wäre, sondern was praktisch funktioniert hat. Und genau darum geht es hier.

Darum Abschnitt zeige ich dir, wie mein Depot heute aussieht und warum diese Struktur kein Zufall ist.


Wie mein Depot heute tatsächlich aufgebaut ist

Mein aktuelles Depot besteht grob gesagt aus zwei großen Blöcken: Einzelaktien und ETFs. Rund 46 % meines investierten Kapitals stecken in Einzelaktien, etwa 41 % in ETFs.

Meine Portfolioaufteilung ist relativ simpel und setzt sich derzeit grob aus drei verschiedenen Anlageklassen zusammen. Grafik erstellt mit folishare.com

Der Rest ist derzeit in Edelmetallen (Gold und Silber) angelegt. In Kryptowährungen war ich ebenfalls stark investiert. Aktuell bin ich dort bewusst nicht engagiert, da ich im klassischen Aktien- und Technologiebereich derzeit deutlich bessere Chancen sehe. Zudem fehlt mir aktuell die Idee, was den Kryptomarkt mittelfristig stärker nach oben treiben könnte.

Wichtig ist mir an dieser Stelle eines: Diese Aufteilung ist nicht aus einem Lehrbuch entstanden, sondern mit der Zeit automatisch. Sie ist das Ergebnis vieler Jahre des Investierens und Anpassens. Sie ergibt sich automatisch aus meiner Anlagestrategie und wird nicht an irgendwelche Vorgaben angepasst. Ich zahle seit vielen Jahren regelmäßig in ETF-Sparpläne ein und habe parallel dazu kontinuierlich in Einzelaktien investiert, mit einem klaren Fokus auf technologiegetriebene Unternehmen.

Warum das relevant ist, wird erst klar, wenn man sich anschaut, wo der tatsächliche Gewinn entstanden ist.


Wo mein Gewinn wirklich herkam

Wenn ich heute nüchtern zurückblicke, dann kommt etwa 40 % meines Gesamtgewinns aus ETFs und rund 60 % aus Einzelaktien. Auf den ersten Blick könnte man daraus schlussfolgern, dass Einzelaktien für mich klar besser funktioniert haben. Die Realität ist komplizierter.

Denn das Ergebnis, das ich vorzuweisen habe, ist nicht normal. Die Realität ist, dass die meisten Marktteilnehmer es bei weitem nicht schaffen, den Markt zu schlagen, und weit unter dessen Performance liegen. Aber auch ich bin kein allsehendes Orakel, das es mit strategischer Weitsicht geschafft hat, den Markt zu schlagen, sondern ich fahre eine relativ simple Strategie, die für mich gut funktioniert.

Der Großteil dieses Einzelaktien-Gewinns stammt nicht aus kreativen Nebenwerten oder exotischen Wetten, sondern aus wenigen großen, technologiegetriebenen Unternehmen. Genau jenen Unternehmen, die gleichzeitig auch die großen Welt-ETFs massiv nach oben gezogen haben.

Der Unterschied: Wenn man diese Titel direkt hält, ist der Hebel naturgemäß größer, sowohl nach oben als auch nach unten.

Ich hatte auch Nebenwerte, die sehr gut gelaufen sind. Aber wenn ich ehrlich bin, kam der wirklich große Teil des Gewinns aus Konzentration, nicht aus Streuung. Gleichzeitig muss man genauso ehrlich sagen: Sämtliche nennenswerten Verluste, die ich über die Jahre gemacht habe, lagen im Einzelaktienbereich. Investitionen in Chinaaktien zum falschen Zeitpunkt, kleine gehypte Technologiewerte, Nebenwerte, schlechtes Timing. All das ist passiert, und all das gehört zur Wahrheit dazu. Ohne die Fehlschläge läge mein Anteil am Gewinn durch Einzelaktien wahrscheinlich eher bei 70 %.

Konzentration schlägt Streuung – aber erhöht das Risiko

Sehen wir uns aber an, welchen Preis es mit sich bringt, in Einzelaktien zu investieren, statt einfach einen ETF zu kaufen.


Der unsichtbare Preis von Einzelaktien

Einzelaktien haben ein Problem, über das kaum jemand spricht: Sie kosten mentale Energie. Viel mehr, als man sich am Anfang eingestehen will.

Man denkt ständig nach, liest Nachrichten, rechtfertigt Entscheidungen vor sich selbst und hat immer das Gefühl, etwas übersehen zu haben. Selbst wenn eine Aktie gut läuft, stellt sich die Frage, ob man halten, nachkaufen oder Gewinne sichern sollte. Läuft sie schlecht, beginnt die Spirale aus Hoffen, Zweifeln und Rationalisieren.

ETFs haben diesen Effekt kaum. Sie sind langweilig und emotionslos – und genau deshalb so effizient. Sie verlangen keine Meinung, kein Timing und keine ständige Aufmerksamkeit. Im Einzelaktienbereich war mein Zeitaufwand dementsprechend hoch. Schließlich verfolgt man laufend die Quartalsergebnisse und beurteilt alle paar Monate, ob das Investment noch richtig ist. Auch wenn ich viele Aktien schon länger als zehn Jahre halte, ist es ein laufender Prozess, dem man sich stellen muss.

Das bedeutet nicht, dass Einzelaktien schlecht sind, aber sie verlangen deutlich mehr, als viele erwarten.

Diese Erkenntnis hat dazu geführt, dass ich meine Strategie in den letzten Jahren bewusst verändert habe.


Warum ich heute anders investiere als früher

Früher hatte ich zeitweise rund 30 Einzelaktien im Depot. Heute sind es etwa 15 Positionen, und ich plane, diesen Bestand auf diesem Niveau zu halten. Nicht, weil ich weniger investieren will, sondern weil ich ruhiger investieren möchte.

Ich vermeide mittlerweile konsequent kurzfristige Zocks, Trendhypes oder „schnelle Ideen“. Neue Aktien kaufe ich kaum noch. Stattdessen konzentriere ich mich darauf, bestehende Positionen bei größeren Marktrücksetzern aufzustocken. Mein Ziel ist es, auch mehrere Tage oder Wochen nicht ins Depot schauen zu müssen, ohne das Gefühl zu haben, etwas zu verpassen.

Diese Reduktion hat nicht nur mein Depot verändert, sondern auch meinen Kopf. Investieren ist für mich heute kein ständiger Begleiter mehr, sondern ein System im Hintergrund.

Und in Wahrheit hat die gezielte Auswahl (Stock Picking) und Konzentration auf weniger Titel, sowie das laufende Nachkaufen in diesen, meine Performance deutlich verbessert.

Aus dieser Entwicklung ergibt sich auch mein ehrlicher Rat für andere Anleger.


Mein ehrlicher Rat an andere Anleger

Wenn du noch nicht investiert bist oder gerade erst beginnst, dann ist meine klare Empfehlung: Starte mit ETFs. Nicht, weil sie die höchste Rendite versprechen, sondern weil sie dir helfen, das Börsengeschehen überhaupt erst zu verstehen. Schwankungen auszuhalten, Rücksetzer zu erleben und trotzdem investiert zu bleiben, ist eine Fähigkeit, die man lernen muss.

Einzelaktien machen meiner Meinung nach erst dann Sinn, wenn mehrere Voraussetzungen erfüllt sind. Du brauchst Zeit, echtes Interesse und auch ausreichend Kapital. Viele Mini-Positionen mit wenigen hundert Euro mögen sich gut aufgeteilt anfühlen, bringen aber real oft wenig, vor allem wenn Gebühren, Spreads und mentale Energie berücksichtigt werden. In vielen Fällen ist es sinnvoller, sich auf den eigenen Job, Weiterbildung oder den systematischen Vermögensaufbau zu konzentrieren, statt jedem Trend hinterherzulaufen.

Einzelaktien sind kein Muss. Sie sind eine Option für Menschen, die bereit sind, den zusätzlichen Aufwand bewusst zu tragen. Oft aus Interesse am Aktienmarkt – und weniger, weil die Anleger damit langfristig die beste Performance erzielen.

ETFs sind langweilig, aber brutal effizient.

Einzelaktien können besser laufen, aber sie verlangen einen Preis, den viele unterschätzen. Meine größten Gewinne kamen nicht aus Kreativität oder genialem Stockpicking, sondern aus Konzentration auf wenige, starke Unternehmen mit dauerhaftem Wachstum. Mein persönliches Investment-Dogma lautet seit Jahren, nur in Unternehmen zu investieren, bei denen ich langfristig ein Umsatz- und Gewinnwachstum im Bereich von mindestens 10 bis 20 % pro Jahr erwarte und dadurch auch ein Anstieg der Kurse gerechtfertigt ist.

Heute investiere ich nicht mehr, um schlauer zu sein als der Markt. Ich investiere, um ruhig schlafen zu können und langfristig dabei zu bleiben. Wenn ich eines aus 18 Jahren Börse gelernt habe, dann das: Das beste Investment ist nicht das mit der höchsten theoretischen Rendite, sondern das, dass man auch in schwierigen Phasen durchhält.

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Von Daniel

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