Kommt JETZT die globale Steuer? Was wirklich dahintersteckt

In den letzten Monaten konntest du es überall lesen: Die UN arbeiten an einer „globalen Steuer“. Eine Weltsteuer, die uns alle treffen könnte. Eine Steuer, die am Ende direkt nach New York fließen würde. Und wie immer, wenn große Organisationen und das Wort „Steuer“ im gleichen Satz auftauchen, dreht das Internet und die Medien durch. Und jetzt das Ganze auch noch global? Reicht das aktuelle Steueraufkommen denn nicht schon aus?

Bevor du dich jedoch fragst, ob du bald einen Teil deines Einkommens an die Vereinten Nationen überweisen musst, wollen wir das Kind beim Namen nennen: Die medial dargestellten Berichte sind faktisch falsch.

Aber die Wahrheit hinter den Schlagzeilen hat trotzdem enorme auswirkungen wohin weltweit hunderte Milliarden an Steuereinnahmen fließen. Und das ist alles viel spannender, als die meisten Medien es darstellen.


Die Angst vor der Weltsteuer – und warum sie eigentlich falsch ist

Wenn große Medien von einer „globalen Steuer“ sprechen, klingt das, als würde eine Art Weltregierung demnächst unsere Löhne besteuern. Dieses Framing ist jedoch nicht nur falsch, sondern verdeckt auch den Teil der Geschichte, der wirklich relevant wäre.

Denn Fakt ist:

  • Die UN erhebt keine Steuern.
  • Die UN wird auch keine zukünftigen Steuern kassieren.
  • Und niemand plant eine Einkommenssteuer für Privatpersonen, egal ob du in Wien, Berlin oder New York sitzt.

Die Verwirrung entsteht dadurch, dass seit 2023 ein internationales Verhandlungskomitee an einem Rahmenabkommen für ein globales Steuersystem arbeitet. Nicht im Sinne von „eine Steuer“, sondern im Sinne von gemeinsamen Regeln, wie große Konzerne weltweit besteuert werden.

Der Unterschied mag klein klingen, ist aber entscheidend: Es geht nicht um „neue Steuern“, sondern um eine „neue Steuerordnung“. Vor allem geht es darum, welches Land welche Steuern erheben darf.

Dass die Medien dieses Detail gerne weglassen, überrascht wenig. „UN plant globale Steuerregeln für multinationale Konzerne“ klingt weniger spannend als „Weltsteuer kommt!“. Steuerregeln hören sich auch wirklich dezent langweilig an, eine „Weltsteuer“ natürlich deutlich bedrohlicher. Und weil sich kaum jemand durch die Originaldokumente arbeitet, bleibt hängen: „Die UN wollen unser Geld.“

Die Wahrheit ist: Die Reform trifft weder dich noch mich direkt – aber sie verändert, wohin das Geld großer Unternehmen künftig fließt. Und das hat am Ende wieder indirekte Folgen für uns alle.

Und genau das ist wirklich spannend. Deshalb gibt es bei diesem Thema zwei knallharte Fronten.


Was wirklich mit der UN-Steuerregelung geplant ist – und warum es um hunderte Milliarden geht

Der Kern der Reform ist schnell erklärt: Multinationale Konzerne sollen künftig dort besteuert werden, wo der Wert entsteht – und nicht dort, wo sie ihre Gewinne hinschieben.

Was heute passiert, ist relativ bekannt: Großunternehmen mit Sitz in Europa oder den USA operieren in ausländischen Staaten und zahlen kaum oder gar keine Steuern. Die Steuern landen oft dort, wo die Steuersätze am geringsten sind: in Irland, Luxemburg, auf den Bermudas oder den Cayman Islands. Und es geht nicht nur um IT-Konzerne wie Microsoft, Meta oder Alphabet, die meistens in diesem Zusammenhang genannt werden.

  1. Rohstoffe (z. B. Kupfer, Öl, Kobalt, Gold):
    Gewinn entsteht im Land, versteuert wird er irgendwo zwischen Europa und einer Steueroase.
  2. Digitale Dienstleistungen:
    Unternehmen verdienen in afrikanischen Ländern am digitalen Konsum – aber ohne physische Präsenz, und damit ohne lokale Steuerpflicht.
  3. Produktionsstätten:
    Herstellung findet dort statt, wo Arbeitskräfte und Standorte billig sind – besteuert wird dort, wo die Holding sitzt.

Wie viel Geld geht es bei der neuen Steuerregelung?

Je nachdem, welche Studie du anschaust, liegen die Schätzungen, wieviel Geld verschoben wird zwischen:

  • 300 und 500 Milliarden Dollar globaler „Steuerverlust“ pro Jahr,
  • davon 150–200 Milliarden Dollar, die Entwicklungsländer verlieren,
  • und etwa 100 Milliarden Dollar, die allein aufgrund reiner Gewinnverschiebung („Profit Shifting“) entstehen.

Ich möchte das greifbarer machen: Stell dir vor, ein Konzern erwirtschaftet in ganz Afrika einen Umsatz von 10 Milliarden Dollar, aber dank cleverer Buchungen wird der Gewinn plötzlich in Irland oder auf einer Insel mit 12.000 Einwohnern ausgewiesen. Dort werden dann Steuern von 0–12 % fällig. Der afrikanische Staat, in dem die Rohstoffe, Arbeitskräfte und Fabriken stehen, geht leer aus.

Für uns mag das alles nicht so schlimm erscheinen. Wenn du dir jedoch ein Land wie Äthiopien ansiehst, wirst du feststellen, dass diese Steuereinnahmen dort Unglaubliches bewirken könnten. Das Land hat 132 Millionen Einwohner, viele Bewohner sind sehr jung und Smartphone-affin, wirtschaftlich ist Äthiopien jedoch schwach. Meta macht in Afrika mehrere Milliarden Dollar Umsatz. Allein Äthiopien könnte hunderte Millionen pro Jahr an Steuereinnahmen kassieren.

Äthiopiens gesamtes Gesundheitsbudget liegt bei etwa 2–3 Milliarden Dollar pro Jahr.
Schon 1 Milliarde mehr Steuereinnahmen würde das System komplett transformieren.

Genau diesen Mechanismus will die UN ändern. Lange haben viele Länder des globalen Südens diese Ungleichheit akzeptiert, weil ihnen die politische Macht fehlte. Inzwischen haben sich jedoch Dutzende Staaten zusammengetan und – zum ersten Mal überhaupt – genug Druck aufgebaut, damit die Verhandlungen bei den Vereinten Nationen und nicht nur bei der OECD stattfinden, in der die westlichen Industriestaaten dominieren.

Was ist die OECD? Die OECD (Organisation for Economic Co-operation and Development) ist ein Zusammenschluss überwiegend wohlhabender Industriestaaten, der seit Jahren internationale Steuerregeln – vor allem für Großkonzerne – entwickelt, wobei ihre Lösungen oft die Interessen dieser reichen Länder stärker berücksichtigen als die der Entwicklungsländer.

Wenn diese Reform umgesetzt wird, könnten sich die Steuerrechte weltweit dramatisch verschieben. Bisher wurden solche Regelungen oft über die OECD getroffen, ein Beispiel dafür ist die OECD-Mindeststeuer. Diese verpflichtet große multinationale Konzerne (ab 750 Mio. € Umsatz) dazu, weltweit mindestens 15 % Unternehmenssteuer zu zahlen – egal, in welchem Land sie ihre Gewinne verbuchen. Damit soll verhindert werden, dass Unternehmen ihre Profite künstlich in Steueroasen mit extrem niedrigen Steuersätzen verschieben.

Mit der neuen Regelung würden auch Länder außerhalb der OECD eine Mindeststeuer erheben. Dadurch würden die Steuererträge für Länder, die vorher die vollen 15 % Mindeststeuer erhalten haben, teilweise wegfallen. Da im Ausland bezahlte Steuern angerechnet werden, würden beispielsweise die EU deutlich geringere Steuereinnahmen für Dienstleistungen erhalten, die im Ausland umgesetzt wurden.

Nach konservativen Rechnungen würden jährlich:

  • 50–80 Milliarden Dollar zusätzlich in Afrika landen,
  • 40–60 Milliarden Dollar in Lateinamerika,
  • 20–40 Milliarden Dollar in Teilen Asiens.

Diese Verschiebung von solch gigantischen Beträgen gefällt natürlich nicht jedem.


Der Kampf zwischen den Machtblöcken – und warum nicht alle mitmachen wollen

Die Liste der Gegner ist wenig überraschend:

  • USA, weil sie Big Tech schützen wollen und lieber eine OECD-Lösung haben (setzen diese aber noch nicht um und haben eine eigene Regel: GILTI).
  • Einige EU-Staaten, die Angst haben, Steuerautonomie zu verlieren.
  • Steueroasen, die ihr Geschäftsmodell bedroht sehen.
  • Multikonzerne, die plötzlich dort Steuern zahlen müssten, wo sie Geld verdienen.

Aber Gegenwehr ist eigentlich sinnlos, weil die UN große Nationen wie die USA oder Europa für einen Beschluss nicht braucht. Denn auch wenn diese Nationen nicht mitmachen, dürfen andere Staaten, die die Regeln übernehmen, die Gewinne von Konzernen in ihrem Land nachversteuern, wenn ein anderer Staat es nicht tut.

Natürlich können die jeweiligen Staaten dann mit generell höheren Steuern oder Zusatzsteuern gegensteuern. Das schwächt jedoch am Ende die Wirtschaft und große Unternehmen aus dem eigenen Land. Eine schwierige Gratwanderung.

Aber real gesehen: Wenn die UN dieses Regelwerk beschließen und einige Entwicklungsländer mitmachen, wird es auch umgesetzt. Viele Abkommen, wie das Klimaabkommen oder das UN-Seerechtsabkommen, funktionieren auch ohne die USA.

Die spannende Frage ist: Welche Auswirkungen hat das jetzt für uns Normalbürger? Trifft es uns auch oder nur die Unternehmen selbst?


Was das für uns bedeutet – und warum es trotzdem riesig ist

Auch wenn du keine UN-Steuer zahlst und dein Einkommen nicht betroffen ist, hat die Reform klare Folgen:

1. Unternehmen zahlen mehr Steuern → Gewinne sinken

Sollte dieses Abkommen in Kraft treten und sich große Nationen wie die USA oder die EU querstellen, könnte es letztendlich zu einer höheren Unternehmenssteuern kommen. Betroffen wären Tech-, Pharma-, Öl-, Handels- und Telekommunikationsunternehmen – mehr Steuern bedeuten in jedem Fall weniger Nettogewinn.

Für ETF- und Aktienanleger heißt das:

  • langfristig etwas niedrigere Margen
  • weniger Optimierungsspielraum
  • geringer Aktienbewertungen

Das ist kein Crash-Szenario, aber durchaus spürbar.

2. Preise könnten steigen

Wenn multinationale Unternehmen höhere Steuerkosten haben, geben manche diese Kosten an die Konsumenten weiter. Das ist nicht dramatisch, aber messbar.

3. Staaten verlieren ein Stück Steuerwettbewerb

Je stärker die globale Mindeststeuer greift, desto weniger Spielraum hat ein Staat, Unternehmen mit niedrigen Steuern anzulocken. Das kann langfristig dazu führen, dass

  • Unternehmenssteuern stabil bleiben oder steigen
  • Konsum- und Lohnsteuern weniger kompensieret werden können
  • Standorte stärker über Regulierung und Arbeitskraft konkurrieren müssen

4. Die globale Wirtschaftsordnung verschiebt sich

Das ist der eigentliche Kern: Nicht eine neue Steuer schafft Veränderungen, sondern die Neuordnung, wer auf dieser Welt überhaupt Steuerrechte besitzt. Und das ist historisch. Es ist die größte globale Steuerreform seit über 100 Jahren.


Fazit: Keine Weltsteuer – aber die größte Steuer-Umverteilung der modernen Geschichte

Wenn du also hörst, dass eine „globale Steuer“ kommt, kannst du das ab sofort einordnen:

  • Nein, es gibt keine UN-Einkommenssteuer.
  • Nein, die UN kassiert nichts.
  • Nein, Privatpersonen werden nicht direkt belastet.

Aber:

  • Ja, die Steuerrechte verschieben sich massiv.
  • Ja, Entwicklungsländer – vor allem in Afrika – profitieren stark.
  • Ja, multinationale Konzerne verlieren einen Teil ihrer bisherigen Steuervorteile.
  • Ja, dein ETF-Depot könnte die Auswirkungen langfristig spüren.
  • Und ja, es ist eine der größten strukturellen Veränderungen im globalen Steuersystem seit Jahrzehnten.

Sobald 60 bis 80 Staaten den Vertrag unterzeichnen und ratifizieren, wird er für diese Staaten international gültig. Realistisch gesehen wird die UN aber versuchen, mit den USA und Europa eine Einigung zu erzielen, was dauern wird.

2025 gab es gerade mal die ersten Entwürfe und ein Abschluss wird 2026 erwartet. Danach müssen die Staaten das Ganze noch ratifizieren und in den jeweiligen Parlamenten der Staaten diskutieren und in Gesetze gießen. Ein realistisches Szenario ist, dass diese Regelungen erst zwischen 2030 und 2032 gelten.

Das Spannende an dieser globalen Verschiebung der Steuererhebung sind die Möglichkeiten, die sich dadurch für Entwicklungsländer ergeben. Hoffen wir, dass das Geld im Falle einer solchen Regelung sinnvoll genutzt wird.

Von Daniel

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