Blackrock ist mittlerweile eines der wohl spannendsten und gleichzeitig kritisch betrachteten Unternehmen in der Finanzbranche. Es ist extrem mächtig und groß, verwaltet Billionen an Vermögen und scheint nicht mehr aufzuhalten zu sein. In kaum ein größeres, wichtiges Unternehmen ist Blackrock nicht massiv investiert und hält große Anteile. Dadurch hat Blackrock eine unglaubliche Macht.
Für viele ist BlackRock nur ein großer Vermögensverwalter, der ETFs anbietet und irgendwo im Hintergrund Milliarden verwaltet. Je tiefer man jedoch in das Thema eintaucht, desto klarer wird: BlackRock ist weit mehr als das, denn die Macht von BlackRock geht weit über die Unternehmen hinaus, an denen sie Anteile haben. Sie kontrollieren scheinbar weite Bereiche des Finanzsystems.
Genau diesem Thema gehen wir in diesem Artikel auf den Grund: Wie mächtig ist BlackRock wirklich? Und warum haben sie so viel Macht und sind quasi unaufhaltbar?
BlackRock verwaltet 12 Billionen US-Dollar, besitzt aber selbst kaum etwas
Die Zahl ist beeindruckend: BlackRock verwaltet über 12 Billionen Dollar (Stand November 2025). Das ist mehr als das Bruttoinlandsprodukt von Deutschland und Frankreich zusammen.

Aber das wissen natürlich diejenigen, die sich mehr mit der Materie beschäftigen: Das Geld bzw. die Unternehmensanteile gehören real gesehen nicht Blackrock, das wird in den Medien oft so dargestellt. Natürlich kommt das Geld von fleißigen Investoren, die über verschiedene Finanzprodukte bei Blackrock investiert sind.
- Pensionsfonds
- Versicherungen
- Staaten
- Stiftungen
- ETF-Sparer
- Privatanlegern weltweit
BlackRock ist im Kern ein Dienstleister. Ein gigantischer, ja – aber kein Eigentümer dieses Vermögens. Aber: Trotzdem entsteht daraus Macht. Und zwar deshalb, weil die Stimmrechte dieser Aktienpakete nicht bei den Investoren und Sparen liegen, sondern bei BlackRock.
Wenn du also einen MSCI World sparst, bestimmst du nicht, wie in deinem Namen abgestimmt wird. Das übernimmt BlackRock – und zwar bei Tausenden Hauptversammlungen weltweit. Und das zu gigantischen Anteilen bei den größten Firmen weltweit.

Blackrock hält allein bei Microsoft, einem der größten und wichtigsten Unternehmen weltweit, satte 8 % aller Aktien! Das sind enorme Stimmrechte, die genutzt werden können, um die Richtung des Unternehmens maßgeblich mitzugestalten.
Diese Stimmrechtsbündelung ist der eigentliche Startpunkt für ihre Macht. Und genau hier beginnt die Frage: Was machen sie damit? Nutzen sie diese Macht?
Wie BlackRock Einfluss auf Unternehmen nimmt – ganz ohne Besitz
Viele Anleger glauben, BlackRock halte sich aus Unternehmensentscheidungen raus. Das Gegenteil ist der Fall. Der Konzern nutzt zwei klare Instrumente: Stimmrechte und sogenanntes Engagement.
Stimmrechte: Der harte Hebel
BlackRock kann mit seinen Stimmen:
- Vorstände bestätigen oder absetzen
- Aufsichtsräte durchfallen lassen
- Dividenden- und Kapitalstrategien beeinflussen
- Fusionsentscheidungen unterstützen oder blockieren
Ein CEO weiß genau: Wenn BlackRock 5–10 % aller Stimmen hält, ist das kein Zuschauer – das ist der wichtigste Spieler im Raum. Und niemand, der seinen Job behalten will, ignoriert diese Macht.
Engagement: Der stille Hebel hinter verschlossenen Türen
BlackRock führt jedes Jahr Tausende Gespräche mit Unternehmensführungen. Diese Meetings sind nicht symbolisch. Sie sind nüchtern, klar und verlangen Ergebnisse. Typische Themen:
- Risikomanagement
- Nachhaltigkeitsstandards
- Kapitalallokation
- Transparenzberichte
- Strategieanpassungen
All dies ermöglicht es BlackRock, maßgeblich mitzuwirken. Doch ihre Macht geht weit über die Stimmrechte hinaus. Denn sie haben eine Software entwickelt, die den kompletten Finanzsektor beeinflusst.
Aladdin – die Finanzsoftware, die 20 Billionen Dollar bewegt
Wenn du verstehen willst, warum BlackRock echte Systemmacht besitzt, musst du Aladdin kennen. Und nein, das ist nicht übertrieben: Aladdin ist eine der einflussreichsten Softwareplattformen der Welt – du hörst nur fast nie davon.
Aladdin analysiert Risiken, optimiert Portfolios und modelliert Marktentwicklungen. Das tun viele Systeme, aber Aladdin ist anders. Es wird nicht nur von BlackRock genutzt, sondern auch von:
- Banken
- Versicherungen
- Hedgefonds
- Pensionskassen
In Summe werden darüber mehr als 20 Billionen Dollar gesteuert oder analysiert. Das heißt:
Wenn Aladdin Risiken meldet, handeln Dutzende großer Investoren in die gleiche Richtung. Stuft Aladdin eine Branche als „überbewertet“ ein, fließt Kapital ab. Wenn Aladdin Klimarisiken hochstuft, betrifft das ganze Industriezweige. Dadurch entsteht ein Herdentrieb, der einen Großteil des Finanzsystems betrifft.
BlackRock besitzt dadurch eine Datenmacht, die weit stärker ist als je Firmenbeteiligung.
Aladdin ist weder ein geheimes Werkzeug noch neu, aber eines, dessen Implikationen kaum öffentlich diskutiert werden. Das bedeutet nicht, dass BlackRock damit alles zentral steuert, aber es ist einfach ein Single-Point-of-Failure in der globalen Finanzarchitektur. Zu viele Marktteilnehmer nutzen die gleichen Risikomodelle, wodurch Fehlbewertungen quasi multipliziert werden.
Die Stimmrechte und Aladdin sind unglaubliche Instrumente der Macht, die eigentlich nicht mehr aufzuhalten sind. Denn jeden Monat wird diese Macht größer und größer, da sie immer weiter gespeist wird.
Warum ETFs die Macht von BlackRock automatisch vergrößern
ETFs sind erfolgreich, weil sie günstig, transparent und für Anleger äußerst bequem sind. Sie haben jedoch einen Nebeneffekt, den kaum jemand sieht: Sie konzentrieren Macht.
Denn egal, ob du den MSCI World, den S&P 500 oder den Nasdaq-ETF sparst – die größten Anbieter heißen:
- iShares (BlackRock)
- Vanguard
Passives Investieren bedeutet: Automatische Käufe, automatische Stimmrechte, automatische Machtkonzentration.
Kein Anleger ruft bei Apple an und sagt: „Ich hätte gern, dass ihr das so oder so macht.“ Aber BlackRock tut genau das. Und zwar im Namen aller.
Heute halten BlackRock und Vanguard zusammen rund 25–30 % vieler großer US-Unternehmen. Das gab es historisch noch nie. Wir haben also ein System geschaffen, in dem zwei Firmen, die kaum etwas besitzen, durch die Struktur der Märkte enorme Kontrolle bekommen. Mit jeder Sparplaneinzahlung wächst diese Macht von Monat zu Monat automatisch weiter.
Und ich nehme mich da nicht aus: Auch ich investiere über ETF-Sparpläne jeden Monat regelmäßig – natürlich auch in iShares-ETFs, denn mit diesen habe ich bisher die besten Erfahrungen gemacht. Aber indirekt wird damit ein riesiges Machtmonopol aufgebaut, dessen sollte man sich bewusst sein.
Aber auch vor den ETFs war Blackrock schon sehr mächtig. Die größten Staatsfonds der Welt, das US-Rentensystem und auch europäische Pensionsfonds sind über Blackrock investiert.
In dieser Kategorie findest du weitere Informationen zum Thema ETFs.
Hat BlackRock zu viel Macht und Kontrolle? Eine ehrliche Einschätzung
Meiner Meinung nach: Ja. Und zwar nicht aus bösem Willen, sondern aus Systemlogik.
Es gibt zahlreiche Berichte, in denen vor allem Larry Fink, der Gründer von Blackrock, bei den größten Unternehmen weltweit ein und aus geht und bei wichtigen Sitzungen anwesend ist. Dies ist ein deutliches Zeichen dafür, dass er und Blackrock nicht nur passiv daneben sitzen, sondern ihre Stimmrechte auch aktiv nutzen – wenn auch meistens hinter verschlossener Tür.
In seinem jährlich erscheinenden „Letter to CEOs” formuliert BlackRock Erwartungen an Unternehmen, beispielsweise in Bezug auf Klimaneutralität, ESG und eine langfristige Strategie. Darin formuliert der BlackRock-Chef Larry Fink offen seine Erwartungen an Unternehmenslenker, beispielsweise zu Klimazielen, Risikomanagement oder der Ausrichtung auf langfristigen Shareholder Value. Für viele Vorstände ist dieser Brief Pflichtlektüre, denn sie wissen: Wenn BlackRock unzufrieden ist, kann das spürbare Konsequenzen bei Abstimmungen und Kapitalflüssen haben.
Man muss jetzt keine Angst vor Blackrock haben, aber man sollte verstehen, wie das System funktioniert. Am Ende entscheidet Blackrock mit Aladdin und dem gigantischen Portfolio an Unternehmensanteilen über vieles im Finanzsystem.
Du bist Teil dieses Systems, sobald du einen ETF besparst. Das wird jetzt niemanden davon abhalten, über ETFs zu investieren, weil sie einfach unschlagbar effizient sind. Aber mit dem Wissen, dass es Aladdin gibt und alles bei Blackrock so „zentralisiert” ist, geht der Kapitalmarkt immer stärker in einen „Einheitsbrei” über. Es werden immer mehr die gleichen Aktien bespart. Es wird immer mehr in die gleichen Branchen investiert und das merkt man bereits seit Jahren, dass diese Bewegungen immer stärker werden.
Wichtig ist auch noch Folgendes über BlackRock zu sagen: BlackRock besitzt nicht die Welt. Sie üben jedoch Kontrolle und Macht in einem historisch einmaligen Ausmaß aus. Dahinter steckt meiner Meinung nach kein perfider Plan, sondern schlicht die enorme Beliebtheit von ETFs.
Am Ende bleibt eine einfache Wahrheit: BlackRock prägt unser Finanzsystem stärker als jeder andere private Akteur. Die Frage ist nicht, ob sie Macht haben – sondern wie sie damit umgehen.
